Kulturszene kämpft mit Corona-Folgen

Max Heckel kritisiert unzureichende Hilfen

max Heckel und seine Bandkollegen spielten nach einer Corona-Pause 2020 als erste Band wieder in Krumke
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Im Sommer 2020 spielten „Nobody knows“ im Innenhof des Kavaliershauses in Krumke
  • Tobias Henke
    vonTobias Henke
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Im vergangenen Jahr hatte Max Heckel, Frontmann von „Nobody Knows“, gemeinsam mit Kavaliershaus-Chefin Annegret Spillner einen offenen Brief verfasst, in dem sie um Unterstützung für den Kulturbetrieb warben und auf die Folgen der Corona-Pandemie aufmerksam machten. Lob gab es von den Kulturschaffenden damals für die Stadt Osterburg, die die „Osterburger Sommernächte“ aus der Taufe hoben, die in diesem Jahr wiederholt werden sollen, falls die pandemiebedingten Einschränkungen dies zulassen sollten.

Osterburg –„Unabhängig davon, ob die Veranstaltung am Ende auch stattfinden kann, habe ich meine Fühler bereits ausgestreckt und Künstler kontaktiert, ob sie bei den Sommernächten auftreten wollen“, sagt Wolfgang Tramp (Die Linke), Vorsitzender des Osterburger Kulturausschusses. Er macht sich Sorgen um die Kulturlandschaft, da die versprochenen Hilfen bei den Kulturschaffenden nicht ankommen würden. Auch würde die Landes- und Bundespolitik nicht erkennen, um wie viel es geht. „Was da alles noch mit dranhängt. Es sind ja nicht nur die Künstler selbst, sondern auch Tontechniker, Bühnenbauer und andere“, so Tramp.

Sänger Heckel sieht dies sehr ähnlich. Die Hilfen sind nach seiner Erfahrung unzureichend. „Die Kulturszene hat keine Lobby, obwohl sie insgesamt deutlich mehr umsetzt und auch mehr Beschäftigte hat als zum Beispiel die Autoindustrie. Porsche hat 700 Millionen Staatshilfe bekommen und trotzdem 1,4 Milliarden an Dividende ausgeschüttet.“ Einen Lösungsvorschlag, um die Folgen abzumildern, hat der Musiker auch. „Es wäre an der Zeit, auch für Soloselbstständige ein Kurzarbeitergeld zu etablieren.“

Derzeit arbeiten der in Tangermünde wohnende Heckel und seine Bandkollegen in anderen Jobs, teilweise halbtags. „Ich arbeite im Moment wieder als Lehrer“, erzählt Heckel. Bis Oktober seien noch vereinzelte Auftritte möglich gewesen, doch die waren hinsichtlich der Anzahl der Zuschauer nicht ansatzweise mit den Zeiten vor der Pandemie vergleichbar. „Wir sind zum Beispiel in Stendal aufgetreten und haben vor Balkonen gespielt.“ Angesprochen auf das Beispiel, dass sich die „Express Party-Band“, die seit mehreren Jahren immer auf dem auch für dieses Jahr abgesagtem Osterburger Sportlerball wegen Corona aufgelöst hat, geht der Band-Leader davon aus, dass weitere professionell arbeitenden Künstler ihre Karriere an den Nagel hängen. Für sich und seine Bandkollegen schließt er dies jedoch aus. „Wir werden auf jeden Fall weitermachen.“

Dass er sauer über manche Einschränkungen ist, ist ihm anzumerken. So hält er es für eine beschönigende Formulierung, dass seit Oktober ein „Lockdown light“ gilt. „Seit Oktober geht gar nichts. Daran ist überhaupt nichts light“, so Heckel.

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