1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Osterburg

„Lunge“ soll wieder Kraft entwickeln

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Matthias Tinschert (r.) und Konrad Scheffler arbeiteten an der Buchholzorgel. Auch wenn der Balg noch nicht komplett fertig ist, kann das Instrument am Sonntag gespielt werden. © Ziems

Osterburg. Fachmännisches Können, Beweglichkeit und hart im nehmen – diese Voraussetzungen sind für Orgelbauer wichtig. Fachleute aus Dresden haben sich in der Woche einem Osterburger „Patienten“ gewidmet. Der Bauabschnitt an der Buchholzorgel hat begonnen.

Und so zwängten sich Matthias Tinschert und Konrad Scheffler im Turm der St. Nicolai Kirche unter den Balg des Instrumentes. Dieser ist wichtig für die Luftzufuhr und so etwas wie die „Lunge“ der Orgel. Zunächst wurden erst einmal ein paar Stunden gesaugt, damit der Dreck der Jahrzehnte und so manches totes Tier verschwindet. „Dabei habe ich mir so manches mal den Kopf angestoßen“, erzählte Orgelbauer Matthias Tinschert gestern Nachmittag. Anschließend ging es an die Einzeltteile, die zum Teil unbrauchbar waren.

Konsequenz: Der Balg funktionierte nicht mehr und die Orgel wurde mit dem Wind des Motors versorgt. Um aber das große Ziel des Fördervereins, die alte Klangfülle des Instrumentes wieder zu erreichen, in die Tat umzusetzen, muss der Balg wieder auf Vordermann gebracht werden. Dies gelang in den vergangenen vier Tagen noch nicht komplett, da der Schaden doch größer war als ursprünglich gedacht.

Doch die Fachleute kommen wieder. Diese konnten bisher einige Schwachpunkte ausmerzen. So wurden verschlissene Lederteile ausgetauscht sowie sogenannte Flexe, die die Bewegung des Balgs, durch den Luft strömt, komplett ersetzt. Bei der Verarbeitung kam Warmleim zum Einsatz. „Dieser hat den Vorteil, dass auch in 100 Jahren mit Wasser und etwas Zeit bei Bedarf wieder gelöst werden kann, ohne dass das Holz beschädigt wird“, unterstrich Matthias Tinschert.

Außerdem kommen Birkenholznägel zum Einsatz – jeder einzelne wurde von den Orgelbauern per Hand geschnitzt. Gestern ging es darum, die Arbeit mit einer Windwaage zu kontrollieren. Damit kann ermittelt werden, ob der Winddruck auch so ist wie er sein sollte. Mit den Arbeiten wurde ein weiterer Schritt in Richtung Sanierung gegangen, die insgesamt rund 300 000 Euro kostet. Erhard Schmitz und Ekkehard Großkopf vom Vorstand des Fördervereins, zeigten sich gestern optimistisch, dass es im Herbst weiter geht.

Von Christian Ziems

Auch interessant

Kommentare