Gunnar Solka zum Tod des Lindenstraßen-Darstellers

Osterburger Serienkollege: Willi Herren fehlt

Wille Herren breitet bei einem Schlagertreffen vergnügt die Arme aus.
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So kannten ihn viele Menschen, mitreißend, auf welcher Bühne auch immer. Schlagersänger Willi Herren (†) bei einem Schlagertreffen 2017 im Hamburger Stadtteil St. Pauli.
  • Marco Hertzfeld
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Gunnar Solka und Willi Herren standen einige Jahre gemeinsam für die Kultserie Lindenstraße vor der Kamera. Der gebürtige Osterburger schaut zurück und will seinen Schauspielkollegen Herren nicht vergessen.

Osterburg / Berlin – „Das letzte Mal, dass wir einander sahen und sprachen, war im November 2019“, erinnert sich Gunnar Solka. Willi Herren hatte in einer der letzten Folgen den Olli Klatt neben anderen verstorbenen Lindenstraßen-Figuren als Geist gespielt, der nun Helga Beimer (Marie-Luise Marjan) erschien. „Sein Olli im Off war bei einem Unfall gestorben. Und auch da hatte er dieses umwerfend charmante Willi-Lachen. Das fehlt nun sehr.“ Dass sein einstiger Fernsehkollege auch die Bühne des Lebens verlassen hat, das macht dem gebürtigen Osterburger zu schaffen. Mehrere Jahre standen sie gemeinsam vor der Kamera. Solka spielte in der TV-Kultserie den Friseur Peter „Lotti“ Lottmann.

Gunnar Solka hat in Osterburg Familie.

„Von den Lindensträßlern hatte ich außerhalb der Kulissen anfangs mehr Kontakt zu Willi, da ich ab Mai 2014 noch ein Jahr in München lebte und Willi häufiger in München war“, lässt Solka die AZ an seinen Erinnerungen teilhaben. Als er nach Berlin zog, war seine Osterburger Freundin Maren Fettback einige Jahre seine direkte Nachbarin. 2006 betreute er für ein paar Tage das Haustier der Nachbarstochter Judy. Während Solka am Lesen war, spielte er mit der zahmen Ratte nebenbei „Fang den Finger“. Das Tierchen namens Rattikarl spazierte dabei auch über den Beistelltisch und das Handy. Weil der Willi im Telefonbuch alphabetisch am Ende stand, wurde er stiller Zeuge des Spiels.

Blumen und Kerzen stehen vor dem Haus in Köln-Mülheim, in dem Willi Herren wohnte.

Osterburg, Ratte und das Fingerspiel

Gegen 1 Uhr nachts habe Schauspielkollege Herren dann zurückgerufen, „verwundert über meine für ihn seltsame Aufforderung an jemanden, der nicht antwortete: ,Na, wo ist denn der Finger? Hol‘ ihn dir, na, hol‘ ihn dir!‘“ Die Bereinigung des Missverständnisses habe ihn dann prächtig amüsiert. „Einmal meinte er: ,Gunnar, du meldest dich ja gar nicht mehr. Schaff‘ dir mal ‘ne Ratte an, damit wir wieder telefonieren können!‘“ Als Herren 2007 aus der ARD-Wochenserie ausgestiegen war, begegneten sich beide nur noch auf Lindenstraßen-Treffen. „Wir hatten dann auch länger über meinen Plötzlichen Herztod 2016 in einem Fitnessstudio gesprochen und dass das Leben bei aller Achtsamkeit plötzlich vorbei sein kann, ich war damals auch 45 wie jetzt Willi.“

Kokain, Kampf und ein „ewiger Junge“

Er könne nicht glauben, dass er ihn nicht mehr so schön lachen sehen kann. „Willis Lachen war so alterlos und zeitlos, ein ewiger Junge. Wir waren uns einig, dass ein ,Achte auf dich!‘ immer lieb gemeint sei, auch wenn ich bis auf die verfluchten Zigaretten keine Drogen nahm, im Gegensatz zu Willi, der oft ein ,Achte auf dich!‘ hörte. Willi hatte da bereits seine Kokainsucht auch öffentlich gemacht“, weiß Solka. Und weiter: „Es war mir klar, dass er hart daran kämpfte, davon loszukommen, und mit der Droge abgeschlossen hatte. Er nahm seine Vorhaben immer ernst. Ich fand damals gut, dass er öffentlich über die Gefahren sprach, denn Kokain wird meiner Meinung nach oft zu sehr verharmlost.“

Tagesschau und kein böser Scherz

Solka, der noch in der letzten Folge der Lindenstraße vor gut einem Jahr zu sehen war, ist traurig und denkt an Herrens Angehörige. „Ich erfuhr in einem Gruppen-Chat der Lindensträßler von seinem Tod. Eine Kollegin hatte ihn noch am Vorabend angeschrieben und keine Antwort erhalten. Als ich später die Tagesschau sah, Willi charmant grinsend hinter Sprecherin Susanne Daubner, dachte ich kurz, dass er morgen wieder lebt.“ Eben so wie ein böser Scherz von Olli und Murat (Erkan Gündüz), den einstigen Freunden aus der Lindenstraße. Herren habe Scherze geliebt, auch über seine eigene Situation. „Es würde schon alles gutgehen.“

Serienbösewicht und Realitystar

Herren war am Dienstag tot in seiner Kölner Wohnung gefunden worden. Um Fremdverschulden sicher auszuschließen, leitete die Polizei Medienberichten zufolge ein Todesermittlungsverfahren ein. Der Rheinländer war einem größeren Publikum als Serienbösewicht in der Lindenstraße bekannt geworden. Später verdiente er sein Geld nicht zuletzt als Partysänger auf Mallorca. Zuletzt trat er auch vermehrt in Realityshows auf, zum Beispiel im Dschungelcamp, bei Promi Big Brother und im Sommerhaus der Stars. Die Ausstrahlung noch ausstehender Folgen der Sendung Promis unter Palmen wurde nach Herrens Tod in dieser Woche gestoppt.

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