Osterburger Hans Heydemann besucht im Juli das ehemalige Ostpreußen

Zum letzten Mal in die alte Heimat

Osterburger Hans Heydemann mit seinem Fotobuch, das viele Erinnerungen von seiner wohl letzten Reise in diesem Jahr in die alte Heimat beinhaltet.
+
Osterburger Hans Heydemann mit seinem Fotobuch, das viele Erinnerungen von seiner wohl letzten Reise in diesem Jahr in die alte Heimat beinhaltet.

Osterburg – Der Osterburger Hans Heydemann leidet seit Jahren an der Parkinsonkrankheit. Sein Leben ist eingeschränkt. Für Arztbesuche oder zum Einkaufen ist der 86-Jährige auf seinen E-Scooter angewiesen.

Früher ist er mit seiner vor vier Jahren verstorbenen Ehefrau Eva-Maria gern gereist. Doch das ist für ihn allein nun so gut wie unmöglich.

Da war es für den gebürtigen Ostpreußen eine unvorstellbare Freude, dass seine Enkeltochter Livia im Juli dieses Jahres einen einwöchigen Aufenthalt in der alten Heimat organisierte. Sie wohnt in Berlin und buchte von dort einen Leihwagen und ein Hotel in Masuren. Am 6. Juli ging es um 7.30 Uhr los – nach Griesen, dem heutigen Gryzy in Polen. Neben seiner Enkeltochter begleiteten Heydemann seine Tochter Sylve, Schwiegersohn Theo und Urenkelsohn Fin. Der Wahl-Altmärker war vom Besuchsprogramm begeistert und natürlich von der Landschaft seiner einstigen Heimat, die er mit zehn Jahren aufgrund der vorrückenden Sowjetarmee 1944 verlassen musste. „Wir waren genau sechs Wochen und einen Tag auf der Flucht, die ins altmärkische Osterburg führte, weil wir dort Verwandtschaft hatten“, erinnert sich der Senior.

Und er besuchte auch das Grundstück in Griesen, wo die Heydemanns zum Ende des Zweiten Weltkriegs ein Haus bauen wollten. „Viele Materialien waren schon geliefert, doch dann mussten wir weg“, so der einstige Ostpreuße im Gespräch mit der AZ. Von den vielen Erlebnissen auf der einwöchigen Reise ließ seine Familie zum Andenken ein Fotobuch mit eigenen vor Ort geschossenen Bildern anfertigen, das Hans Heydemann immer wieder gern zur Hand nimmt und dann ins Schwärmen gerät.

„Die Weite des Himmels, die man hier in der Altmark nie erfährt, ist einfach toll. Und die dichten Wälder voller Unterholz, Masuren mit Tausenden von Seen ist einfach toll.“ Für ihn ist es nach seiner eigenen Einschätzung die letzte Tour ins einstige Ostpreußen gewesen. „Die eine Woche jetzt hat gereicht, um alles einmal wieder zu sehen.“ Heydemann war nach seiner Flucht fünf- bis sechsmal in Masuren gewesen. Das erste Mal mit seinem Bruder 1960. Beide waren dort mit dem Motorrad unterwegs. Später besuchte er einige Male mit seiner Ehefrau und Tochter die einst deutschen Ostgebiete. „Sylve hat in den masurischen Seen das Schwimmen gelernt.“

Eines ist dem Osterburger wichtig. „Menschen, wenn sie auch gesundheitlich eingeschränkt sind, sollten eine Reise in die alte Heimat unternehmen. Dazu möchte ich animieren“, sagt der 86-Jährige und blickt auf seine vergangenen Jahrzehnte zurück. „Mein Leben war von Reisen bestimmt.“ VON THOMAS WESTERMANN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare