„Es lässt sich von Panik sprechen“

Landwirte spüren die Folgen der Hitze aus dem Vorjahr – Tierfutter wird knapp

+
Constanze Thomsen betreibt mit ihrem Mann einen landwirtschaftlichen Betrieb in Düsedau. Die Erträge an Getreide sind in den vergangenen Jahren gesunken, sodass das Futter für die Tiere knapp wird.

Osterburg – Die Lage ist dramatisch. Die Folgen der langen Trockenheit im vergangenen Jahr sind für die Landwirte in der Region noch sehr stark spürbar, dies gilt nicht zuletzt für die starke Verknappung des Tierfutters.

Erschwerend kommt hinzu, dass die zugesagten Hilfen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft nur schleppend gezahlt werden.

„Wenn die Bedingungen so bleiben wie jetzt und wir noch einmal so einen Horrorsommer wie im letzten Jahr haben, kann es im schlimmsten Fall passieren, dass uns das gesamte Tierfutter ausgeht“, erzählt Martin Ahrndt, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Krevese-Drüsedau. Auch sei es kaum möglich, überhaupt Futter hinzuzukaufen. „Wenn alle das Problem haben, dann kann auch niemand Futter verkaufen. Verschärfend in finanzieller Hinsicht käme noch hinzu, dass die zugesagten Dürrehilfen des Ministeriums die Landwirte noch nicht erreicht haben. Außerdem würde trotz des verknappten Angebots bei der Milch keine höheren Preise gezahlt. „Die Marktmacht des Einzelhandels ist zu groß und er diktiert die Preise und ist nicht bereits, selbst höhere Preise zu verlangen, weil die Kunden nur das Billigste vom Billigen wollen“, übt Ahrndt auch Kritik am Konsumverhalten der Verbraucher.

Deutliche Kritik am Bundesministerium kommt vom Kreisbauernverband Stendal. „Es wird geprüft und geprüft und vor lauter Prüferei gehen die Landwirte kaputt“, nimmt Kerstin Ramminger, Geschäftsführerin des Verbandes, kein Blatt vor den Mund. Sie sieht gar bewusst eingebaute Hürden, damit möglichst wenig Geld ausgezahlt werde. Das Bundesministerium sieht das Landesministerium am Zug. „Von uns aus sind die Gelder freigegeben worden. Verteilt werden sie durch die Länder“, teilt eine Sprecherin der AZ auf Anfrage mit.

Die Ungewissheit für die Landwirte in Bezug auf die Ernte begann für die Bauern in der Region schon zu Beginn des Frühjahrs. „Weil der April so trocken war, lässt sich von Panik sprechen, die bei einigen ausgebrochen ist“, erzählt Constanze Thomsen, die mit ihrem Mann Jochen einen landwirtschaftlichen Betrieb in der Osterburger Ortschaft Düsedau betreibt.

Nichts Gutes ahnt die Landwirtin bezüglich der diesjährigen Getreideproduktion. „Das sieht teilweise nach einer Noternte aus“, erzählt sie. Dies bedeute nichts Gutes für den Ertrag. Der Rückgang der Erntemengen in ihrem eigenen Betrieb, der im Jahr 2017 die Milchproduktion eingestellt hat, sei in den vergangenen Jahren dramatisch gewesen. „Wir haben mit derselben Fläche schon 480 Tiere versorgt, jetzt sind es 130“, führt sie aus.

Eine große Hilfe für das Ehepaar Thomsen ist der Betreiber der Biogasanlage gewesen. „Die Betriebe schließen natürlich Verträge über die Lieferung ab. Neben uns wurden auch weitere Betriebe im vergangenen Jahre von ihren vertraglichen Verpflichtungen entbunden, sodass wir den Mais an die Tiere verfüttern konnten“, berichtet Thomsen. Darüber hinaus musste trotzdem Futter zugekauft werden. „Das war teuer und es kam von sehr weit her“, erzählt die Landwirtin der AZ.

VON TOBIAS HENKE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare