Landtagswahl: Im Norden treffen einstige CDU-Parteifreunde aufeinander

Direktmandat in Osterburg umkämpft wie selten

Kreiswahlleiter Bastian Sieler schaut bei der Sitzung in die Runde.
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Kreiswahlleiter Bastian Sieler und Kollegen bei der Sitzung des Wahlausschusses am 22. April 2021. Alle Kandidaten sind ohne Widerspruch zugelassen worden.
  • Marco Hertzfeld
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Sie waren einst Parteifreunde in der CDU und liegen nun über Kreuz. Christdemokrat Chris Schulenburg will bei der Landtagswahl am 6. Juni 2021 sein Direktmandat behalten. Nico Schulz, Freie Wähler, möchte es ihm abjagen. Die anderen Kandidaten müssen bei diesem Duell keine Nebendarsteller sein.

Osterburg – Dieser Wahlkreis hat es in sich, schlägt sich doch dort im Landkreis die stärkste Bruchstelle der einstigen Großmacht CDU nieder. Und mit den abgesegneten Kreiswahlvorschlägen in dieser Woche dürfte das Rennen nun an Tempo gewinnen. Chris Schulenburg will und muss das Direktmandat im Bereich Havelberg-Osterburg bei der Landtagswahl am 6. Juni unbedingt verteidigen, sollen die Christdemokraten nicht weiter an Einfluss verlieren. Pikant: Mit Osterburgs Bürgermeister Nico Schulz, seinem einstigen Parteifreund und nun Hoffnungsträger der Freien Wähler (FW), steht ihm vielleicht der größte Herausforderer gegenüber. Dass Schulenburg im Wahlkreis obsiegt, scheint keineswegs garantiert.

Stendaler Skandal von 2014 und Corona-Kritik

Im Streit um die richtige Aufarbeitung des Stendaler Wahlfälscherskandals von 2014 und später um Parteibeiträge hat die CDU wichtige Köpfe verloren. Inwieweit andere Bewerber um das Direktmandat im Wahlkreis 3 die Wahlaffäre zur Munition machen, bleibt abzuwarten. Landtagsmitglied Schulenburg, seit April 2017 Kreisvorsitzender, dürfte mit allem rechnen und sich weiterhin schlagkräftig geben müssen. Rathauschef Schulz saß bereits einmal vor Schulenburg im Magdeburger Parlament. Insgesamt konkurrieren zwei Frauen und sechs Männer um das eine Ticket, welches den direkten Einzug erlaubt. Einige von ihnen könnten es auch über die Landesliste ihrer Partei ins Parlament schaffen, Schulz etwa steht bei den FW auf Platz zwei.

Auf ein bloßes Duell der Intimfeinde muss es in gut sechs Wochen nicht hinauslaufen. Mit Landtagsvizepräsident Wulf Gallert bietet die Linke ein größeres Kaliber auf. Auch Jacob Beuchel, Kreisvorsitzender der SPD, dürfte beim Urnengang nicht völlig sang- und klanglos untergehen. Ähnliches könnte für Sandra Matzat von der AfD gelten. Hella Ueberschaer will für die Bündnisgrünen das Direktmandat holen, Jim Christiansen-Weniger für die FDP. Mit der Basisdemokratischen Partei Deutschland (die Basis) und Norbert Poley hat sich noch gänzlich neue Konkurrenz ergeben. Welche Rolle nicht zuletzt eine Kritik an den staatlichen Coronamaßnahmen im Wahlkampf spielt, wird sich zeigen.

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