Schulz unterstützt Initiative für mehr Küchen / Stadt macht es in Flessau vor

Landkreis-Schulen am eigenen Herd

+
Blick in eine Schulküche im niedersächsischen Göttingen. Schulküchen scheinen eher die Ausnahme. 

Osterburg – Nico Schulz schaut gern selbst über den Tellerrand hinaus und betrachtet die Initiative seiner Fraktionskollegin Edith Braun für mehr kommunale Schulküchen und eine besondere Verantwortung des Landkreises positiv.

Ob er die Schulspeisung künftig ebenfalls gern kostenlos angeboten sehen will, lässt der Osterburger Bürgermeister offen. Schulz wie Braun ziehen für Pro Altmark in den neuen Kreistag ein. Die Fraktion sei noch nicht in die inhaltliche Arbeit eingestiegen, welche ersten Anträge gestellt würden, noch offen. „Ein wichtiges Thema wird aber die Schulspeisung sein, denn frisches Essen ist wichtig für die Gesundheit, gerade im heranwachsenden Alter“, meint der Stadtchef auf AZ-Nachfrage.

Die Zahl kommunaler Schulküchen ist überschaubar. Die Einheitsgemeinde Tangerhütte betreibt eine an der Grundschule Lüderitz. Der Herd ist dort seit Eröffnung der Bildungsstätte in den 1960er-Jahren in Betrieb. Auf eine gewisse Tradition können auch die Einheitsgemeinde Osterburg und die Schulküche in Flessau zurückblicken. Wobei der Standort momentan im Umbruch ist. Die Küchenbaracke ist abgerissen. Es entsteht ein multifunktionaler Anbau, der im Wesentlichen die neue Mensa beherbergen soll. Die Neugestaltung der Grundschule kostet an die zweieinhalb Millionen Euro. Wie genau die Schulspeisung aufgestellt sein soll, dazu gibt es nach wie vor noch offene Fragen.

Nico Schulz, Bürgermeister Osterburg

„Wir sind in Planung und Abstimmung für eine neue Schulküche, die gebaut werden soll und die alte der Grundschule ersetzt.“ Die Stadt plant ganz offenbar mit großem Besteck und stellt die kleine Variante, die allein Flessau umfassen würde, endgültig nach hinten. „Die Küche soll die Kapazität haben, dass alle Kinder in den städtischen Einrichtungen mit frischem Essen versorgt werden können.“ Dann dürfte es dort täglich um mindestens 500 Portionen gehen. Für Schulz entsteht aus diesem eigenen Anspruch auch eine Botschaft: „Ich denke, was wir als Stadt können, das müsste der Landkreis für seine Schulen auch hinbekommen können.“ Der Landkreis ist für Sekundarschulen und Gymnasien verantwortlich.

Es gebe die Empfehlung der Bundesregierung, dass Schulessen nicht länger als eine halbe Stunde warm gehalten wird, ehe es auf den Teller kommt. „Das muss auch für uns das Ziel sein. Dazu frisch und möglichst mit Produkten aus der Region“, erläutert der Bürgermeister der Einheitsgemeinde und dürfte damit bei Braun offene Türen einrennen. Die frühere Sozialdemokratin würde am liebsten die gesamte Essensversorgung umkrempeln. Flächendeckend Schulküchen einzurichten und das Feld nicht der privaten Wirtschaft zu überlassen, hat sie erst kürzlich in der AZ gefordert. Der Mittagstisch sollte zudem für die Kinder kostenlos oder zumindest grundlegend anders finanziert sein.

Edith Braun, Ortsbürgermeisterin Lüderitz

Die 68-Jährige sieht mehr denn je Kommunen, Landkreise und den Bund in der Pflicht. Letztgenannter könnte einen Teil des Kindergeldes fest an diese Aufgabe binden, um möglichst den Nachwuchs aller Familien zu erreichen. Zuschüsse für wirtschaftlich schwache Familien gebe es, ja, doch manchmal seien Eltern aus den verschiedensten Gründen nicht in der Lage, einen Antrag auszufüllen. Betroffene Mädchen und Jungen schauten dann in die Röhre. Inwieweit Schulz, Mitglied der CDU und Fraktionsvorsitzender der Pro Altmark, und Braun auch in diesen Punkten einer Meinung sind, muss sich zeigen. Der Kreistag versammelt sich am 4. Juli das erste Mal, die politische Arbeit beginnt.

VON MARCO HERTZFELD

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare