Bürgermeister überlässt Besuch in möglicher Partnerstadt anderen

Landesdelegation reist ohne Schulz nach Israel

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Museumsbesucher in Jerusalem rufen über ein Smartphone Informationen über historische Gebäude ab. Delegationsmitglieder aus Osterburg wird es im Juni vor allem nach Meitar ziehen.

Osterburg. Eine Delegation der Landesregierung wird Anfang Juni Israel besuchen. Mit im Flugzeug sitzen die Osterburger Stadtratsmitglieder Ute Pahl (Linke) und Dr. Ringhard Friedrich (CDU) sowie Andreas Schulz, Vize-Leiter des Markgraf-Albrecht-Gymnasiums.

Für die Biesestädter ist einer der Programmpunkte besonders wichtig, die Visite in Meitar, in einem Ort, mit dem partnerschaftliche Beziehungen aufgebaut werden könnten. Die Reise sollte bereits im November stattfinden, wurde aber verschoben. Bürgermeister Nico Schulz (CDU) wird anders als geplant nicht Teil der Landesdelegation sein. „Das hat organisatorische Gründe. “ Er hat bereits seit geraumer Zeit für Ende Mai eine Bildungsreise organisiert und will die Gruppe selbst nach Israel begleiten.

Vertreter aus Burg und der Gemeinde Unstruttal gehören zur Landes-Delegation im Juni. Die beiden Kommunen haben bereits Partnerschaften aufgebaut. „So weit sind wir noch lange nicht. Und ob tatsächlich irgendwann eine Städtepartnerschaft dabei herauskommt, weiß auch niemand. Womöglich reicht es auch nur zur besonderen freundschaftlichen Beziehung, vielleicht aber auch selbst dazu nicht, wir müssen wirklich abwarten“, meint Bürgermeister Schulz. Das frühere Landtagsmitglied hat in der Vergangenheit immer wieder Bildungsreisen in den Nahen Osten organisiert.

Meitar, eine 7000-Einwohner-Stadt in der Wüste Negev, sucht den Austausch mit einer Kommune in Sachsen-Anhalt, und Osterburg könnte sich finden lassen. Schulz selbst hat den Stein ins Rollen gebracht. Das Interesse ist im Frühsommer 2013 öffentlich geworden (die AZ berichtete). Möglich scheint vor allem ein regelmäßiger Schüleraustausch. Die Rede war aber auch von wirtschaftlichen Kontakten, Meitar gehöre zu einer aufstrebenden Region.

Und schließlich könnte eine solche Verbindung einen Imagegewinn mit sich bringen. Die Landesregierung scheint ein starkes Interesse an Kontakten nach Israel zu haben.

In Osterburg hat Schulz mit seiner Initiative nicht unbedingt offene Türen eingerannt. Die Kommunalpolitik hat bislang in großen Teilen eher verhalten reagiert oder sich nicht großartig dazu geäußert, aus der Bevölkerung gab es vereinzelte Kritik an den Plänen. Zwischen der Biesestadt und Meitar liegen ungefähr 3000 Kilometer, für Skeptiker offenbar eine allzu große Entfernung. Die Städtepartnerschaft zum polnischen Wielun ist erst kürzlich durch eine Vereinbarung bekräftigt worden. Freund- schaftliche Beziehungen unterhalb eines Partnerschaftsvertrages pflegt Osterburg mit Soltau und Oerlinghausen.

Wenn die Bildungsreisenden mit Schulz an der Spitze vom 21. bis 30. Mai in Israel weilen, wird Meitar nicht auf dem Programm stehen. „Zwei Besuche aus Deutschland, erst wir und dann die Landesdelegation, das wäre für die Verantwortlichen in Meitar einfach zu viel“, so der Bürgermeister im AZ-Gespräch. Schulz ist weder Teil der Landesdelegation, noch besucht er mit seiner eigenen Gruppe Meitar. Ein Ausdruck schwindenden Interesses sei das nicht. „Die Konstellation sollte niemand falsch interpretieren. Es geht organisatorisch einfach nichts anders“, sagt der Bürgermeister.

„Israel ist ein spannendes Land, es ist ein modernes Land.“ Schulz ist Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft mit Sitz in Magdeburg. Der Christdemokrat beobachtet die Entwicklung im Nahen Osten aufmerksam. Die alte Feindschaft zwischen Israelis und Palästinensern war im Herbst 2014 neu aufgeflammt. Es gab Tote und Verletzte. Inzwischen hat sich die Lage wieder einigermaßen entspannt. Dass dort irgendwann einmal auf Dauer Frieden einkehrt, scheint allerdings alles andere als ausgemacht.

Von Marco Hertzfeld

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