Stadt sieht in früherem Bahnhof und Ex-Poliklinik wachsende Schandflecke

Kritik nimmt Fahrt auf: „Schaut auf dieses Elend“

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Die frühere Poliklinik präsentiert sich mausgrau und im Inneren recht dreckig.

Osterburg. „Dieser Zerfall, dieser Stillstand, es ist einfach nur frustrierend. “ Wenn es um Osterburgs früheres Bahnhofsgebäude geht, sieht Bürgermeister Nico Schulz allmählich rot und findet deutliche Worte. Die Schonzeit scheint vorbei.

Es ist Ferienzeit und ruhiger. So muss in diesem Moment nur der Zugführer die Tristesse sehen.

Zumal selbst Politik und Verwaltung den Überblick darüber verloren zu haben scheinen, wer in dieser Angelegenheit eigentlich das Sagen hat und Ansprechpartner ist. „Die Immobilie befindet sich im privaten Besitz, völlig okay. Doch das öffentliche Ansehen, also unser aller Ansehen, leidet“, ist der CDU-Mann im AZ-Gespräch überzeugt. Gebäude wie dieses, ob noch in Betrieb oder nicht, seien das Aushängeschild einer Stadt. „Reisende gehen vorbei. Und wer nicht aussteigt, schaut zumindest durch das Zugfenster auf dieses Elend. “.

Abgekoppelt von der Entwicklung in der Altstadt sei auch die einstige Poliklinik an der Gartenstraße, ein Komplex, in Teilen ebenfalls älter als 100 Jahre. „Wie groß er ist, sieht man so richtig erst von der anderen Seite.“ Das Gebäude war vor einer Woche bei einer Versteigerung in Berlin angeboten worden, ohne Erfolg. Und auch danach hat sich kein Käufer gefunden, wie eine AZ-Nachfrage gestern ergeben hat. Das mehr als 1000 Quadratmeter große Grundstück bleibt weiterhin beim Auktionshaus, gut zwei Monate haben Bieter noch Zeit. Der Bürgermeister: „Auch mit diesem Schandfleck muss etwas passieren.“

Wie die einstige Poliklinik steht auch das ausrangierte Bahnhofsgebäude seit vielen Jahren leer. Die Bahn hatte es 2012 verkauft. Eine neue Nutzung hat sich bislang nicht realisieren lassen. Ideen hat es einige gegeben, so war nicht zuletzt von Bistro, Arztpraxis, Steuerbüro und Wohnungen die Rede gewesen. Inwieweit davon noch irgendetwas aktuell ist, vermag der Architekt, der lange Zeit mit dem Projekt zu tun hatte, gegenüber der AZ nicht zu sagen. Nach einem ersten großen Aufräumen vor knapp fünf Jahren hat sich dort jedenfalls nicht mehr allzu viel getan. Still ruht der See.

Von Marco Hertzfeld

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