Nachwuchsprobleme nicht nur in Osterburg: Jürgen Emanuel sieht Eltern und Schulen in der Pflicht

Kreistagsmitglied in Sorge: „Die Kultur stirbt aus“

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Der gemischte Chor in Osterburg gab im Mai 2018 seine Auflösung bekannt. Der Grund: Es mangelte an Nachwuchs-Sängern. Mit diesem Problem haben immer mehr musikalische Gruppierungen zu kämpfen, weiß Kulturfreund Jürgen Emanuel.

Osterburg. Es steht nicht besonders gut um die musikalisch orientierte Bevölkerung im Raum Osterburg. Der gemischte Chor hat sich bereits in diesem Jahr aufgelöst und auch die Goldkehlchen aus der Gemeinde Erxleben hängen nach 35 Jahren das Mikrofon an den Nagel.

Grund dafür ist nicht etwa, dass den Sängern die Lust an ihrem einstigen Hobby vergangen ist. Vielmehr mangelt es den musikalischen Gruppierungen an Nachwuchs. Und dieses Problem liegt besonders Kulturfreund Jürgen Emanuel (Linke) schwer im Magen.

Jürgen Emanuel

„Die Kultur stirbt bei uns langsam aus“, sorgt sich das Kreistagsmitglied, das selbst seit vielen Jahren bei den Osterburger Blasmusikanten aktiv ist. „Wir müssen uns als Landkreis Gedanken machen, welchen Stellenwert musikalische Erziehung für uns hat und wie man Kinder und Jugendliche dazu bewegen kann, sich selbstständig an musikalische Gruppierungen zu wenden“, regte er im jüngsten Kulturausschuss des Landkreises zum Nachdenken an, als es um ein Zertifikat ging, dass der Kreismusikschule „Ferdinand Vogel“ in Stendal kürzlich verliehen wurde.

Das musikalische Angebot sei an Schulen und Musikschulen vorhanden und es werde auch genutzt, berichtet der Osterburger im AZ-Gespräch. Doch das Ende der Schulzeit bedeute oftmals auch ein Ende der musikalischen Karriere. „Ich sehe die Eltern, Schulen und andere Kultureinrichtungen in der Pflicht, die jungen Musiker zu motivieren und an Orchester, Chöre und andere Gruppierungen weiter zu vermitteln.“ Zwingen könne man niemanden, „schon gar nicht in der Kultur“, weiß der Lokalpolitiker, aber man solle zumindest zum Weitermachen anregen. „Bisher fehlen in meinen Augen die Impulse. Und dass immer mehr Chöre und Orchester sich auflösen, kann nicht Sinn und Zweck der musikalischen Erziehung sein“, ist sich Jürgen Emanuel sicher.

Eine Möglichkeit um für Musiker-Nachwuchs zu werben sieht Emanuel in dem diesjährigen, am 27. Dezember im Landratsamt stattfindenden Rückkehrertag: „Wir sollten uns nicht nur Gedanken darüber machen, wie wir die Menschen in die Altmark oder den Landkreis bekommen, nämlich auf beruflichem Wege, sondern ein Fundament schaffen, damit die Leute hier gerne sesshaft werden möchten“, findet Emanuel. Und dazu gehören nunmal Freizeitangebote, Vereine und auch die Kultur.

Von Charlotta Spöring

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