Stendaler hofft – doch Politik will Kreveser DDR-Bau endlich plattmachen

Knatsch um Abrissblock: Stadt verschmäht Investor

Mausgrau und am Ortseingang hinter Bäumen versteckt, fristet der Wohnblock aus realsozialistischen Zeiten ein leergezogenes Dasein. Politik und Verwaltung halten das Ende des mehrgeschossigen Gebäudes in Krevese für gekommen und setzen auf die Abrissbirne.

Krevese. „Es wäre ein Skandal, wenn dieses Gebäude fiele. Fördermittel und Steuergelder sollen einfach so verschwendet werden – unverständlich."

Peter Zimmermann will den Abriss des leer stehenden Wohnblocks in Krevese unbedingt verhindern, habe er doch einen Investor aus Stendal an der Hand, der den DDR-Bau übernehmen und sanieren wolle. Vor zwei Jahren hatte der Osterburger Architekt nach eigenem Bekunden einen ersten Anlauf unternommen, ist aber von der Kommune „abgebügelt“ worden. Nun habe er wieder eine Anfrage laufen und hoffe auf die Einsicht der politisch Verantwortlichen. „Das Kaufgesuch ist bei der Stadt schriftlich eingereicht. Der Stendaler möchte das Objekt für eine angemessene Summe erwerben. “.

Das graue Gebäude kennt seit etlichen Jahren keinen Mieter mehr. Die Türen sind mit Sperrholz verrammelt, einige Platten sind eingetreten. Etliche Fenster wurden eingeworfen, die Scherben liegen am Boden. Vor den Eingängen und dem Trockenplatz für Wäsche wächst das Unkraut meterhoch. Zimmermann lässt sich von diesem Bild nicht abschrecken. „Der Eindruck täuscht. Die Bausubstanz ist in Ordnung, daraus lässt sich etwas Gutes machen.“ Der Block dürfte vor annähernd fünf Jahrzehnten errichtet worden sein und atmet den Charme realsozialistischer Wohnkultur. Zimmermann im Gespräch mit der AZ optimistisch: „Der Investor würde den Standard der Wohnungen in Krevese auf eine gute Mittelklasse anheben.“

Das dreistöckige Gebäude am Ortseingang sollte eigentlich schon längst Geschichte sein. Doch der Abriss wurde immer wieder verschoben, weil auch eine solche Maßnahme nun einmal ordentlich Geld kostet und die kommunalen Kassen schon fast chronisch leer sind. Nun scheint das Ende aber tatsächlich nah. Der Fördermittelbescheid liegt vor, fast 60 000 Euro sind avisiert. Das Projekt kostet insgesamt gut 75 000 Euro. Osterburgs Vize-Bürgermeister Detlef Kränzel rechnet damit, dass der Block im Laufe des Sommers abgetragen wird.

Kränzel hält das Schicksal des Hauses für besiegelt. Schon die Gemeinde Krevese, bis 2009 politisch eigenständig, habe die kommunalen Quartiere aufgegeben und einen entsprechenden Beschluss gefasst. Der Stadtrat der neuen Einheitsgemeinde Osterburg hat laut Vize-Bürgermeister ebenfalls nur einen Abriss für richtig und wichtig erachtet und das Votum gut zwei Jahre später in diesem Sinne bekräftigt. „Es muss eben auch der gesamte Wohnungsmarkt betrachtet werden. Es werden keine Vorteile für die ländliche Entwicklung gesehen, wenn ein Privater dort zusätzliche Wohnungen schafft.“

Eine weitere potenzielle Abrissstelle befindet sich in Flessau. Auch in dieser Osterburger Ortschaft sollen DDR-Quartiere abgetragen werden. Der Block steht längst leer, nicht zuletzt eine Folge schrumpfender Bevölkerung. Die Balkons sind bereits demontiert. Einige der restlichen Mieter sind einfach in einen der anderen zwei Plattenbauten gezogen (die AZ berichtete). Der Abriss in Flessau kostet fast 160 000 Euro, davon sind 127 500 Euro Fördermittel.

Von Marco Hertzfeld

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