1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Osterburg

Ein verschmähter Weihnachtsstern

Erstellt:

Von: Thomas Westermann

Kommentare

Weihnachtsstern
Der verschmähte Herrnhuter Weihnachtsstern: Die Kirchengemeinde wollte das Geschenk nicht haben. © Thomas Westermann

Wollenrade. Es ist schon erstaunlich und zum Kopfschütteln. Da möchte ein Wollenrader Rentner der Kirchengemeinde ein weihnachtliches Geschenk machen, aber die Christen wollen es gar nicht – zumindest eine Frau in dem Leitungsgremium.

Der Rentner möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Gegenüber der AZ macht er jedoch seinem Ärger Luft. „Ich machte der Kirchengemeinde ein Weihnachtsgeschenk, das nicht angenommen wurde.“ Bei dem besagten Geschenk zur Geburt von Jesus Christus handelte es sich um einen Herrnhuter Stern, der sich bei vielen Menschen in der Adventszeit großer Beliebtheit erfreut.

Der Herrnhuter Stern soll als Ursprung aller Weihnachtssterne gelten. Von einem Erzieher im Mathematikunterricht erdacht, diente er zum Vermitteln eines besseren geometrischen Verständnisses. Mittlerweile hat dieser Schmuck Kultstatus und ist auch nicht ganz billig.

Der Wollenrader hatte zusammen mit seiner Frau ein Prachtexemplar aus dem Internet ausgesucht und zum Preis von 59,99 Euro online bestellt. Zwar kam der Stern nicht mehr ganz pünktlich zum Christfest an, dennoch installierte der 85-Jährige das Schmückstück hoch oben in einer Luke des Gotteshauses, um damit den Einwohnern eine Freude zu machen. „In dem 70 Seelen zählenden Dorf wollte ich insbesondere für Kinder etwas Gutes tun.“ Es sei ein Unheil passiert, sagte die erwähnte Frau vom Gemeindekirchenrat. Der Wollenrader Rentner dachte erst, dass irgendetwas mit Gott zu tun habe. „Na, wenn ein Unheil passiert, dann denkt man als erstes an den Schöpfer“, äußerte der hochbetagte Altmärker, dessen Frau übrigens auch dem Gemeindekirchenrat in der Osterburger Ortschaft etwa 15 Jahre angehörte. Warum der Stern aber verschwinden sollte, hatte irdische Probleme. Den Christen flatterte eine Stromrechnung in Größenordnungen ins Haus, die das Unheil bedeutete. Angeblich waren die Heizungen unter den Sitzbänken über eine längere Zeit in Betrieb, die den Strompreis in die Höhe trieben. „Die haben einfach vergessen, das Ding auszumachen“, so der 85-Jährige, der auch der evangelischen Kirche angehört und in Eigeninitiative Pflegearbeiten auf dem Friedhof übernimmt. Dass sein Stern verschmäht wurde, erbost ihn, denn die Kosten für Elektrizität wären gering. „Ich hatte eine LED-Lampe eingebaut, die ganz wenig Strom verbraucht.“

Aber nach all dem Ärger zog der Wollenrader die Notbremse. Nach zwei Tagen holte er sich den Kirchenschlüssel, stiegt auf den Turm der dreiteiligen Feldsteinkirche und deinstallierte den Stern, der eigentlich nur Freude bringen sollte. Frustriert ist er nach wie vor: „Man braucht nur in den Nachbarort Flessau zu schauen, dort leuchtet der Stern an der Kirche immer noch und die Einwohner finden das gut.“ Doch was passiert nun mit dem bei einigen Christen verschmähten Schmuckstück? „Zu Hause brauche ich den Stern nicht, da ich schon einen habe. Vielleicht werde ich ihn verschenken.“

Auch interessant

Kommentare