Messgerät nimmt nach Beschwerden Fahrzeuge auf der Breiten Straße ins Visier

Ketten-Kasten an der Piste: Polizei zählt Temposünden

Für die Polizei ist das Gerät so wertvoll, dass es an die Kette muss. Der Apparat nimmt den Verkehr auf der nördlichen Breiten Straße ins Visier, zählt die Fahrzeuge und registriert die Geschwindigkeit – ohne aber Kennzeichen oder gar Gesichter der Fahrer aufzunehmen.

Osterburg. Er hat in etwa die Größe eines gängigen Briefkastens, ist grau, auch so ziemlich unscheinbar – und doch ist er dem einen oder anderen Autofahrer vielleicht schon aufgefallen. Der Apparat hängt an einem Pfeiler an der nördlichen Breiten Straße in Osterburg.

Die Polizei überwacht dort seit einigen Tagen den Verkehr. „Wir zählen die Fahrzeuge, und die Geschwindigkeit wird auch gleich mitgemessen“, erklärt Sprecher Marco Neiß auf Nachfrage der AZ. Anwohner der gepflasterten Piste hätten sich über übermäßigen Lärm und Temposünden beschwert. Auf Bitten der Stadt haben die Ordnungshüter das mit modernster Technik vollgestopfte Gerät, von dem es für die gesamte Polizeidirektion Nord nur ein einziges gebe, aus Magdeburg geholt und montiert.

Das Gerät zählt die Fahrzeuge und misst die jeweilige Geschwindigkeit, mehr nicht. Neiß: „Es läuft da weder irgendeine Filmkamera noch werden Fotos gemacht.“ Wer dort in den vergangenen Tagen mehr als Tempo 30 gefahren ist, müsse also nicht mit einer Strafe rechnen, dürfe aber ruhig ein schlechtes Gewissen haben. „Man will einfach sehen, ob dort tatsächlich in dem Maße zu schnell gefahren wird und wie hoch das Verkehrsaufkommen ist.“ Die Einheitsgemeinde kann und darf solche Untersuchungen nicht selbst machen. Und der Landkreis hat zwar die bekannten Messfahrzeuge, doch die sind nicht ganz so gut geeignet und auch recht bekannt. Wer sie sieht, bremst noch schnell ab, wenn er denn kann. „Das verfälscht das Bild.“

Über den Straßenlärm hatte sich insbesondere Dieter Sliwa, der direkt an der Breiten Straße wohnt, immer wieder beschwert (die AZ berichtete). Der Rentner schimpfte auf das Kopfsteinpflaster, Autofahrer, die zu schnell unterwegs seien, und die Stadt, die untätig bliebe. Das Messgerät wird nun wieder abgebaut, die Ergebnisse sollen möglichst rasch ausgewertet sein. Wahrscheinlich werde es anschließend einen Vor-Ort-Termin geben. Was möglich ist und was nicht, hänge natürlich maßgeblich von der Auswertung ab, so Neiß.

Bauliche Veränderungen in dem Bereich scheinen nicht ausgeschlossen, eine weitere Senkung der Höchstgeschwindigkeit ebenfalls nicht. Es gab zudem die Forderung nach einem stationären Blitzer, auch Starenkasten genannt. Polizeisprecher Neiß will und kann sich dazu nicht groß äußern. Nur so viel: Gegebenenfalls müsste dann erst auch noch der genaue Lärmpegel mit spezieller Technik erfasst werden.

Von Marco Hertzfeld

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