Kein Geld für Obdachlose

Die Mitglieder des Sozialausschusses sahen sich in derzeit unbewohnten Zimmern des Osterburger Obdachlosenheimes um.

Osterburg - Von Matthias Mittank. Sie leben am Rande der Gesellschaft und doch mitten unter uns. Menschen, die durch das soziale Raster gefallen sind, finden im Obdachlosenheim neben der Begegnungsstätte der Osterburger Volkssolidarität eine bescheidene Unterkunft. Jüngst besichtigte der Sozialausschuss die heruntergekommene Einrichtung, für deren dringende Sanierung allerdings kein Geld im Stadtsäckel vorhanden ist.

Ein stickiger Geruch schlug den Mitgliedern des städtischen Sozialausschusses entgegen, als sie jüngst das Osterburger Obdachlosenheim betraten. Die Fußböden sind dreckig, die Tapeten eingerissen, von der Decke und am Geländer der alten Holztreppe hängen Spinnweben. Die Fenster sehen aus, als wurden sie seit Jahren nicht mehr geöffnet. In einer Ecke stehen zwei alte Gasherde, die aus einer völlig anderen Zeit anmuten. Niemand würde beim Anblick des Hausflures auf die Idee kommen, dass hier jemand wohnt.

„Eigentlich“, so Ordnungsamtsleiter Matthias Frank, „handelt es sich um eine Notunterkunft – für Menschen, die vorübergehend keine Bleibe haben“. Tatsächlich aber gibt es sogar einen Bewohner, der seit Anfang der 1990er Jahre in dem Objekt wohnt. Erst kürzlich kam mit einem 23-jährigen Mann ein Neuzugang hinzu. Zusammen mit einer Frau, die mit ihrem Sohn in dem Haus wohnt, und einem weiteren alleinstehenden Mann leben fünf Personen in dem Heim. Und das unter einfachsten Bedingungen. Neben der spartanischen Möblierung gibt es in den kleinen Wohneinheiten zwar abgetrennte Küchenbereiche, aber im gesamten Haus keine einzige Dusche. Für die Hygiene stehen allein Waschbecken bereit – zumindest fließen aus diesen auch warmes Wasser.

Die Bewohner sind weitestgehend auf sich selbst gestellt. Auf die Nachfrage, ob es einen Sozialarbeiter gibt, der nach den Leuten schaut, musste Frank mit nein antworten. „Die Hälfte der Bewohner gehört eigentlich ins betreute Wohnen“, musste der Ordnungsamtsleiter zugeben. Denn Probleme gibt es immer wieder. Die Bewohner sind nicht bereit, sauber zu machen, eine zugemüllte Wohnung musste sogar schon zwangsgeräumt werden, und vor Jahren starb eine Frau an Gelbsucht in einem völlig verwahrlosten Zimmer, zählte Frank auf.

Um wenigstens zwei oder drei Zimmer herzurichten, müssten rund 10  000 Euro investiert werden. Doch das gibt der städtische Haushalt nicht her. Der Sozialausschuss, der sich von den Zuständen betroffen zeigte, hofft, dass es in absehbarer Zeit zumindest eine Dusche in dem Objekt gibt.

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