Tierheimchefin wirbt für Kastration / Unfassbar: Verletzte Mieze auf Müllberg

Katzenhaus wappnet sich: Baby-Boom bei Samtpfoten

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Leopold, auch nur kurz Leo genannt, ist eine echte Schmusekatze. Sibylle Wellner (l.) und Antonia Freist kennen ihre tierischen Schützlinge ziemlich gut, die einen sind schüchtern und zurückhaltend, die anderen forsch, ja fast schon draufgängerisch.

Osterburg. Im Katzenhaus des Altmärkischen Tierschutzvereins in Osterburg herrscht Ruhe vor dem Sturm. Sibylle Wellner rechnet mit zahlreichen zusätzlichen Sorgenkindern. „Das mit der Ruhe ist natürlich relativ, hier ist immer etwas los.

Doch gerade im Mai werden viele Katzenbabys geboren. Wir können uns dann regelmäßig auf einen großen Schub an Neuzugängen einstellen“, sagt die 50-Jährige der AZ. In einem Spitzenjahr müssen sich die Tierfreunde schon einmal um mehr als 100 Samtpfoten gleichzeitig kümmern. Momentan werden auf dem Areal an der Düsedauer Straße  schon fast 60 Katzen betreut, das sind sogar 20 mehr als im Tierheim in Borstel bei Stendal, dem Stammsitz des Vereins.

„Es ist nie zu spät, eine Katze zu kastrieren“, wirbt Antonia Freist für die radikale Geburtenkontrolle. Die 27-Jährige führt seit einigen Monaten das Zepter im Tierheim. Immer wieder geben Leute Katzen ab und wissen angeblich nichts über deren Herkunft. Oder aber die Stubentiger werden einfach ausgesetzt, regelrecht weggeschmissen wie Dreck und landen nach ihrem Horrortrip bei den Tierschützern. „Wir hatten erst kürzlich einen Fall in Stendal, da saß ein Kätzchen halb verhungert und mit gebrochenem Bein in einem Wald auf einem Müllberg zwischen Katzenstreu und verschlossenen Dosen voller Futter“, schüttelt es die gebürtige Magdeburgerin vor Wut.

Mit gemischten Gefühlen sehen die Tierschützer auch freilaufende Katzen. Wenn sich Menschen quasi ehrenamtlich um die herrenlosen Miezen kümmern, sei das ja erst einmal eine gute Sache. „Doch an die Kastration denkt natürlich niemand, die Tiere können sich deshalb immer weiter vermehren und irgendwann gerät alles außer Kontrolle“, weiß Biesestädterin Wellner. Öffentlich soll niemand an den Pranger gestellt werden. Doch auch in der Einheitsgemeinde gebe es gar nicht so selten Entwicklungen, bei denen der Verein gemeinsam mit dem Ordnungsamt eingreifen müsse.

Für Kastrationen hat das Tierheim allein 2013 insgesamt mindestens 10 000 Euro ausgegeben, im Jahr danach waren es sogar 11 000 Euro. Eine ähnliche Summe erwartet Freist auch für 2015. Das wolle erst einmal alles gestemmt werden. „Dass wir in diesem Jahr 5000 Euro vom Deutschen Tierschutzbund erhalten haben, ist deshalb eine riesengroße Hilfe“, unterstreicht die junge Frau, die in Stendal Betriebswirtschaft studiert hat. Das Thema ihrer Bachelorarbeit: Kundenservice im Tierheim.

Die Tierschützer freuen sich für jedes Tier, das in gute neue Hände kommt. Eine „fertige Katze“ (kastriert, entfloht, entwurmt und geimpft) kostet 80 Euro. Dem Verein helfen auch Geld- und Sachspenden. Freist: „Wir brauchen Streu und Futter, vor allem auch hochwertiges Futter für unsere noch schwächeren Schützlinge.“ Ganz oben auf der Einkaufsliste steht derzeit Katzenmilch für Jungtiere, mit denen in den nächsten Wochen vermehrt zu rechnen sei. Osterburgs Tierschützer sind erreichbar unter (03937) 80723 und 252374. tierheim-stendal-borstel.de

Von Marco Hertzfeld

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