84-Jähriger reich an Autogrammen / Alte Heimat Masuren unvergessen

Auf der Karte zwischen Glamour und Heimweh

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Hans Heydemann zeigt den Schriftsteller und Spion Maugham.

Osterburg. „Eine wirklich gute Schauspielerin und eine der schönsten Frauen der Welt“, sagt Hans Heydemann und tippt vorsichtig auf das Foto von Grace Kelly, der späteren Fürstin von Monaco.

Marcello Mastroianni, Lilli Palmer, Esther Williams, Gina Lollobrigida, Frank Sinatra, William Somerset Maugham . . . Der 84-Jährige hat mehr als 200 Schauspieler, Musiker und weitere Künstler sowie einige Schriftsteller in seinen Sammelalben. Die Karten sind fast alle in Schwarz-Weiß, natürlich mit Unterschrift und zeugen von Weltruhm, der in vielen Fällen noch anhält. Die Autogramme wurden zum Großteil in tiefster DDR-Zeit gesammelt. „150 Anfragen ins westliche Ausland sind vermutlich durch die Stasi verloren gegangen. “ Heydemann war kein SED-Genosse, aber zumindest ein „treuer DDR-Bürger“, wie er selbst sagt, und Kreisabgeordneter der NDPD, einer Blockpartei.

Der gelernte Kaufmann und Funkmechaniker stammt aus Griesen, einem Dorf in Masuren, seine Frau Eva Maria, bereits verstorben, kam damals aus Oberschlesien. Sie hatte schon als Mädchen und vor der Vertreibung Autogrammkarten gesammelt. Das Hobby sollte beide zusätzlich verbinden. Die Osterburger waren vermutlich einst sogar die einzigen ostdeutschen Mitglieder im Fanklub der Star-Trek-Ikone Leonard Nimoy (Mr. Spock). Die große weite Welt der Stars und Sternchen aus TV und Kino habe das gemeinsame Leben zusätzlich bereichert. Überschaubar scheint die DDR-Abteilung. „Aus Sammlersicht besonders wertvoll dürften Bild und Unterschrift der politischen Größen Pieck, Grotewohl und Ulbricht sein.“

Heydemann ist reich an Erinnerungen und Emotionen. „Mein Leben ist gekennzeichnet durch Heimweh.“ Masuren sei nicht flach wie die Altmark, sondern hügelig, aber mindestens genauso schön. Seine Familie verließ die alte Heimat 1944, der Krieg tobte noch. „Ich war zehn Jahre alt und bereits voller Eindrücke.“ Sechs Wochen und einen Tag waren allesamt mit Rollwagen unterwegs. Ein großer Bauernhof und eine Gastwirtschaft gehörten fortan anderen. Fünf, sechs Mal besuchte Heydemann das ehemalige Anwesen, erstmals Mitte der 1970er-Jahre, im Jahr 2000 mit Tochter und Enkelkind. Dass eine weitere Fahrt nach Polen hinzukommt, daran glaubt der Rentner nicht. Die Gesundheit setze Grenzen. „Die Gefühle spielen bei einem solchen Besuch ja sowieso immer leicht verrückt“, sagt er der AZ mit leiser Stimme.

Der Osterburger mit ostpreußischen Wurzeln schreibt seit Kurzem seine Erinnerungen auf, verfasst kleinere Episoden über Flucht und Vertreibung sowie die nicht immer leichten Anfänge in der Altmark. In irgendwelche Vertriebenenorganisationen habe es ihn nie gezogen. „Trotzdem teile ich meine Erlebnisse natürlich gern.“

Von Marco Hertzfeld

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