„Wir sind eben doch nicht die letzten Mohikaner“

Janette Obara gründet Treff für Eltern und Kleinkinder in Arneburg

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Krippenfiguren aus dem Fundus der neuen Pfarrerin sind für Noah Mats (v.l.), Paul und Johann zum Greifen nah. Janette Obara (r.) legt sich für die Hauptpersonen ihres neuen Angebots mit Spaß auf die Wolldecke unterm Holzkreuz.

Arneburg. Am Kirchplatz in Arneburg findet der Papa von Noah Mats, was dem jungen Mann in der nahen Kreisstadt fehlt.

„Es gibt zu wenig Angebote für Väter in Stendal“, will der Rolandstädter seine Elternzeit nun dafür nutzen, alle zwei Wochen einen Vormittag im Pfarrhaus bei Janette Obara zu Gast zu sein. Die neue Pastorin begrüßt bei Arneburgs Krabbelgruppen-Premiere am Donnerstag aber auch Mütter und Babys aus Jarchau und Sanne.

Da gewährt Johann, vier Monate jung, Nachbarin Ida entspannt Augenkontakt, obwohl die Kleine doppelt so alt ist wie er selbst. Es duftet nach Orange-Holunder-Tee, während auf dem Boden unterm Holzkreuz die jüngste Jugend auf karierten Wolldecken neben bunten Krippenfiguren locker lässt. „Ich freue mich sehr, denn das ist ein Hoffnungszeichen dafür, dass wir eben doch nicht die letzten Mohikaner sind“, sagt die 36-Jährige der AZ. Junge Familien, die sich in der Region niederlassen, füllen nun bereits den Kalender der Pastorin. Neun Taufen, unter anderem in Arneburg und Rindtorf, sind vereinbart. Und bei fünf Trauungen wird Obara Ehepaaren den Segen fürs Leben geben. „Den ganzen Juli wird geheiratet“, erklärt sie.

In ihrer neuen Krabbelgruppe stehe besonders der Austausch zwischen Müttern und Vätern an erster Stelle. Das Angebot richte sich an Babys und Kleinkinder, weil diese für die bestehenden Aktivitäten mit Gemeindepädagogin Martina Grigoleit noch zu jung sind. „Das ist Bildungsarbeit und ermöglicht es, mit jungen Eltern in Kontakt zu kommen, denn die Kirche ist ein Raum für alle.“ Dies sei gerade auf dem Lande wichtig, wo viele Mütter und Väter oft nicht wüssten, wo Gleichgesinnte zu finden seien.

Junges Leben hat auch schon in der Ausbildung der Pfarrerin eine tragende Rolle gespielt, denn die Diplomarbeit von Janette Obara setzte sich mit den Schwierigkeiten der Pränataldiagnostik auseinander, die für werdende Eltern Fluch und Segen zugleich sein kann.

Für die nahe Zukunft will sich die aus Berge bei Werben stammende Geistliche dafür einsetzen, neben der Krabbelgruppe im Pfarrhaus der Elbestadt auch Elternkurse anzubieten. Obara, die selbst keine Kinder hat, möchte Mütter und Väter bestärken, sich nicht verrückt machen zu lassen und die Kinder wieder mehr so zu nehmen, wie sie seien. Welche Bürde durch die Leistungsgesellschaft auf Schultern von Eltern laste, könne die Pfarrerin nachvollziehen. Schließlich seien Eltern beim Erziehen oft ganz auf sich allein gestellt. Ein Kurs könne da nicht schaden.

Von Antje Mahrhold

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