Fast jedes vierte Quartier ohne Leben / Wohnungsgesellschaft geht in Offensive

„Ist gewaltig angestiegen“: Satte 22 Prozent Leerstand

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Noch wird an der Fröbelstraße Flagge gezeigt. Die Zahl der Mieter sinkt.

Osterburg. „Der Leerstand ist gewaltig angestiegen.“ Rüdiger Mallohn redet nicht lange um den heißen Brei herum. Die Quote liegt bei satten 22 Prozent, vor sieben Jahren sind es nur acht gewesen.

Die größten Sorgen hat die Wohnungsgesellschaft Osterburg im Plattenbaugebiet „Golle“. 

So stehen allein in der Fröbelstraße 10-12 ganze 28 von 72 Wohnungen leer. Das sind fast 40 Prozent. Die Probleme zögen sich allerdings mehr oder weniger durch den gesamten Bestand, meint der Geschäftsführer des kommunalen Vermieters. Die Wohnungsgesellschaft besitzt relativ unverändert zu den Vorjahren 624 Quartiere.

„Die Lage ist ernst.“ Der gebürtige Osterburger sucht nach Erklärungen: „Ich habe das Gefühl, dass die jungen Leute immer noch weggehen und hinziehen, wo es Arbeit und mehr Geld für ihre Arbeit gibt.“ Mallohn hat sich die Zahlen genauer angeschaut und 2017 nach den Gründen einer Kündigung fragen lassen. Das Ergebnis alarmiert: 34 Prozent haben demnach die Biesestadt ganz verlassen und leben anderswo, wahrscheinlich mehrheitlich in Westdeutschland. In zwölf Prozent der Fälle sind die Mieter verstorben. Auf die demografische Talfahrt und die politischen Rahmenbedingungen hätten Wohnungsunternehmen nun einmal keinen Einfluss.

Mallohn und Kollegen wollen sich nicht mit der Einwicklung abfinden. Es komme eben noch mehr auf Analyse und Strategien an. So stünden beispielsweise in bestimmten Gebieten besonders viele Einraumwohnungen leer. Ein möglicher Grund: In Osterburg und Umgebung wurden die Berufsschulen geschlossen. „Die jungen Leute haben gern mal eine solche Wohnung bezogen.“ Die Wohnungsgesellschaft will in diesem Jahr in die Offensive gehen, ihre Internetplattform aufpeppen und die Aktion „Mieter werben Mieter“ starten. Abriss von Häusern ist momentan kein Thema. „Wir setzen weiter auf Erneuerung und eine attraktive Gestaltung des Wohnumfeldes“, betont Mallohn. Der 60-Jährige kann auf gleich zwei berufliche Jubiläen verweisen: Er ist 20 Jahre im Unternehmen tätig und davon zehn Jahre Geschäftsführer.

Von Marco Hertzfeld

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