Protest von Anwohnern und Unterstützern

Massive Kritik an Autokorso

Mahnwache gegen den bau der A 14 in Seehausen. Aufruf von Umweltschützern
+
Im Februar fand in Seehausen eine Mahnwache gegen den Bau der A 14 statt. Nun regt sich in Form eines offenen Briefes weitere Kritik gegen das Vorhaben. Insbesondere gegen den Autokorso am Samstag.
  • Tobias Henke
    vonTobias Henke
    schließen

Am Sonnabend findet ein Autokorso statt, mit dem Befürworter des A-14-Baus sich für das Vorhaben einsetzen wollen. Unter den Anwohnern in den Dörfern, über die der Korso führen soll, regt sich Widerstand. Anne Ahrend, Einwohnerin in Dequede, hat einen offenen Brief, der von mehr als 50 Bürgern unterzeichnet wurde, an die AZ gesendet. Dabei handelt es sich um Anwohner der geplanten Strecke und um Unterstützer des Protestes, die nicht unmittelbar von dem Korso betroffen sind.

Osterburg / Seehausen – Das Schreiben im Wortlaut: „Wie aus der Zeitung zu erfahren war, soll am 24. April mit einem sogenannten Auto-Korso für den A-14-Bau demonstriert werden. Diese Kolonne aus Lastwagen und Pkw soll aber nicht auf der Bundesstraße von Osterburg nach Seehausen fahren, sondern durch die Dörfer. Wir fragen die Organisatoren: Haben Sie auch nur für einen Moment darüber nachgedacht, was Sie den Einwohnern in Krevese, in Dequede, in Röthenberg und in Drüsedau damit zumuten wollen? Glauben Sie etwa, wir werden an der Dorfstraße stehen und Ihrer Blechlawine aus Lärm, Abgasen und Gestank zujubeln und zuwinken? Wer gibt Ihnen das Recht, die Menschen in den Dörfern auf diese Weise mit Ihrem Verkehrslärm mutwillig zu belästigen?

Mit dieser merkwürdigen Auto-Prozession zeigen Sie in aller Öffentlichkeit, dass Ihnen die Lebensqualität der Menschen hier offenbar gleichgültig ist. Für Sie mag der Bau der A 14 ein Anlass zum Feiern sein, für die Einwohner in den Dörfern ist es das nicht. Es geht schon längst nicht mehr darum, ob man für oder gegen diese Autobahn ist. Es geht darum, was die konkrete Autobahn-Planung für die Menschen in den Dörfern zwischen Osterburg und Seehausen bedeutet. Diesen Menschen wird zugemutet, künftig in nächster Nähe der Autobahn wohnen zu müssen. Und das, von einem Lärmschutzwall in Röthenberg abgesehen, ohne jeden Lärmschutz und auch ohne Geschwindigkeitsbeschränkungen.

Ihr gedankenloses Vorhaben zeigt unfreiwillig aber auch, welche zutiefst negativen Folgen diese Autobahn in nächster Nähe der Dörfer haben wird. Der Autoverkehr mit seinem Lärm und seinen Abgasen verlagert sich von der Bundesstraße in eine vom Verkehrslärm bisher unbelastetete Landschaft – unzerschnitten von Straßen, eine Heimat mit hoher Lebensqualität und kostbarer Ruhe für alle, die hier wohnen.

Wir stecken mitten in der Klimakrise. Um die schädlichen Treibhausgase zu reduzieren, brauchen wir viel weniger Autoverkehr und mehr Wälder mit ihrer kostbaren Klimaschutzfunktion. Aber hier soll mitten durch unseren Seehäuser Forst eine Autobahn gebaut werden, die den Verkehr verdoppeln und verdreifachen soll. Was für eine Fehlplanung von vorgestern.

Wir fordern Sie auf: Gefährden Sie mit Ihrem zutiefst egoistischen Vorhaben nicht das gute menschliche Miteinander in unserer Region. Denken Sie darüber nach, welchen Eindruck Ihr sogenannter Autokorso hinterlässt. Bleiben Sie zu Hause oder fahren Sie mit Ihrer Lkw-Kolonne auf der Bundesstraße. Da gehören die Lastkraftwagen hin – aber nicht in die Dörfer“.

Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth (FW) äußert sich zu dem offenen Brief. „Als Bürgermeister kann man es leider nicht jedem Einzelnen recht machen. Man ist verpflichtet, die Interessen der Mehrheit zu vertreten, und das mache ich sogar in Fällen, wo ich persönlich anderer Meinung bin. So funktioniert nun mal eine Demokratie mit Mehrheitsentscheidungen.“ Man habe zunächst eine Demonstration anmelden wollen, doch aufgrund der Coronazahlen davon Abstand genommen. „Und wenn wir über die B 189 gefahren wären, wären die Verkehrsbehinderungen zu groß gewesen.“ Deshalb habe man sich dafür entschieden, über die Dörfer zu fahren. Er bittet die Anwohner um Verständnis für die Beeinträchtigung der Bürger durch den Autokorso am Sonnabend.

Auch Osterburgs Bürgermeister Nico Schulz (FW) wendet sich an die Initiatoren des Offenen Briefes: „70 000 Unterschriften haben die Bürger der Region vor über 20 Jahren gesammelt, damit diese Autobahn gebaut wird. Eine kleine Gruppe von Umweltaktivisten versucht seit Jahren, diesen Bürgerwillen zu torpedieren. Umfangreiche Umweltschutzmaßnahmen wurden infolgedessen für viele Millionen Euro eingeplant. Nun, da Baurecht von Süden bis Osterburg und von Norden bis Seehausen besteht, wird versucht, den kleinen Zwischenabschnitt von Osterburg nach Seehausen durch Klagen zu verhindern. Gegen so viel Unvernunft muss ein deutliches Zeichen gesetzt werden. Dies wollen wir mit dem Fahrzeug-Konvoi am Sonnabend setzen. Die Streckenanlieger bitte ich um Verständnis für diese 20-minütige Aktion“, schreibt Schulz auf Anfrage.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare