Täter greifen zu, als 86-Jähriger im Krankenhaus liegt / Belohnung ausgesetzt

Imker in Werben bestohlen: „Bin immer noch am Boden“

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Über eine Hintertür gelangten Diebe in das Gartenhaus in Werben, während der Besitzer erst in Magdeburg und dann in Burg im Krankenhaus lag. Auch in ein Nebengelass drangen die Täter ein, indem sie ein Sicherheitsschloss knackten.

Werben. Das hat auch der Heilige Ambrosius, Schutzpatron der Imker, nicht verhindern können: Während Werner Geisler in Magdeburg auf dem OP-Tisch liegt, packen noch immer unbekannte Diebe große Teile seines Hab und Guts ein.

„Ich bin immer noch am Boden“, wehklagt der 86-Jährige. Der Hobby-Imker zählt der AZ auf, was Ende Mai/Anfang Juni aus Gartenhaus und Nebengelass so alles gestohlen wurde. Ein aufgebrochenes Schloss am Hintereingang zeugt vom rabiaten Vorgehen der Täter. Ebenso die geknackte Sicherheitskette vom Außentor.

So hebelten die Diebe Stahlkassetten auf, stahlen rund 300 Euro Bargeld, eine goldene Taschenuhr – das Erbstück vom Vater – und D-Mark-Münzen sowie das Sparbuch, diverse Zeugnisse, Studiendokumente und das Familienstammbuch. „Alle persönlichen Unterlagen sind weg“, kann es der gelernte Landwirt nicht fassen. „Bei meinen Bienen fehlt sämtliches Werkzeug“, führt der aus Küstrin, der einstigen Hauptstadt der Neumark, dem heute polnischen Kostrzyn nad Odra, stammende Werbener seine Verlust-Liste fort. Honigschleuder und Smoker, Stockmeißel, Futterballons und Aluminiumkannen nahmen die Täter mit. Sie stahlen auch eine Waage, einen Akkuschrauber, einen Werkzeugkoffer und eine Kettensäge.

Zur Ergreifung der Täter hat der 86-Jährige, den es nach seiner Kriegsgefangenschaft 1946 über eine Neubauernstelle nach Sandauerholz verschlug, eine „angemessene Belohnung“ ausgesetzt. „Ich bin von der Arbeit der Polizei sehr enttäuscht“, stellt der Senior klar. Schließlich war Geisler ab 1953 selbst Teil der „bewaffneten Organe“. Dort war der seit 1996 verwitwetwe Vater dreier Kinder tätig, weil er mit damaligen Zwangskollektivierung nichts am Hut hatte. „Ich hörte auf, als es mit der LPG losging.“ Der Senior lebt nun als Single in der nördlichsten Stadt des Landkreises. Ein Sohn wohnt in der Altmark, der andere in Bayern und die Tochter im Havelland.

Mit Hilfe seiner Kinder hat sich Geisler inzwischen das nötigste Bienen-Equipment wiederbeschafft. Seit mehr als 70 Jahren sind die Fleiß-Insekten sein Metier. „Ich wollte schon oft aufhören, aber ich kann mich nicht von meinen Bienen trennen“, lächelt der 86-Jährige und fügt hinzu: „Ich bin eben ein Naturmensch.“ Der Herr über drei Völker mit jeweils etwa 80 000 Tieren hofft auf Hinweise zu den Dieben, die ihn so dreist bestahlen, übers Mobiltelefon: 0172–6 243 413.

Von Antje Mahrhold

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