Auf der Fährte des Müllsünders

Illegale Kippen: Jägerschaft fordert von der Politik härtere Strafen

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Naturfreund Peter Kunze mit seinen beiden Schweißhunden zeigt eine der jüngsten Müllabladen.

Osterburg – „Wenn ich diese Bilder draußen sehe, könnte ich platzen. “ Mitglieder der Jägerschaft Osterburg finden immer häufiger Abfall in Wald und Flur. „Es ist schon sagenhaft, was alles in unsere Natur geschmissen wird“, macht sich Peter Kunze Luft.

Die Weidmänner aus dem Norden des Landkreises Stendal sehen die Politik in der Pflicht. Schärfere Gesetze müssten her.

Die Botschaft: „Drastische Geldstrafen oder Sozialstunden würden mit Sicherheit helfen. “ Pressesprecher Kunze denkt gleich an die große Politik und meint spitz, dass die Damen und Herren „in den abgedunkelten Limousinen, in denen sie gefahren werden“, den illegal entsorgten Müll links und rechts des Weges von allein wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen.

Schilder sollen helfen.

Kunze erinnert an die Sero-Annahmestellen in der DDR, die „Jagd nach Altstoffen“ und die Aussicht für jeden auf einen Zusatzverdienst. „Keine schlechte Sache, finde ich, denn nicht alles war schlecht.“ Für Spätgeborene: Die Abkürzung Sero stand für das VEB-Kombinat Sekundär-Rohstofferfassung.

In diesem System wurden in der gesamten Republik Wertstoffe aufgekauft und einer weiteren Verwertung zugeführt, für das chronisch rohstoffarme Land sehr wichtig. „Aber ich glaube auch, bei weniger Verpackung kommt logischerweise weniger Müll zustande“, weiß Kunze 30 Jahre nach der politischen Wende und bei vielfachem Konsum um die Gretchenfrage im vereinigten Deutschland.

Weidmänner könnten über all den illegal entsorgten Unrat nur den Kopf schütteln. „Angefangen von Plastikmüll, Glas, Papier, Fernseher, Stühle, Tische und Schränke bis hin zu Heizöltanks habe ich im Wald schon alles gesehen.“ Zumal: „Teilweise findet man Dinge in der Natur, die unentgeltlich entsorgt werden könnten.“

Doch nein, die Umweltsünder fahren mit dem Auto in den Wald und nicht in eine der Annahmestellen des Landkreises. Auch so mancher Straßengraben sei mit Müll regelrecht übersät. „Sind sie von der Straßenmeisterei gereinigt, fängt das Schauspiel nach kurzer Zeit wieder von vorn an“, schimpft der Gruppenobmann für Öffentlichkeitsarbeit in einem Schreiben an die AZ.

Die Weidmänner können und wollen sich nicht mit der Entwicklung abfinden. Zahlreiche Mitglieder der Jägerschaft Osterburg organisierten in den Pächtergemeinschaften jährlich mindestens eine Sammelaktion. Den Müll aus Wald und Flur zu holen, ist für den Naturfreund eine Selbstverständlichkeit und mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Obgleich es immer wieder neue Enttäuschungen gebe, sicherlich. Ein Jagdfreund habe extra ein Schild aufgestellt, doch selbst das ignorierten Umweltfrevler regelmäßig. Kunze, offiziell bestätigter Schweißhundeführer in Sachsen-Anhalt, hofft auf die Vernunft der Leute: „Die Natur braucht uns Menschen nicht, aber wir Menschen können nicht ohne unsere Natur leben.“

Wie viel Unrat die Weidmänner den zuständigen Behörden melden oder selbst wegräumen, kann Kunze nicht sagen und schon gar nicht auf die Schnelle. Gefühlt nehme das Ärgernis jedenfalls zu. Der Altmärker ist viel mit seinen Hunden unterwegs, nicht zuletzt bei Jagden und sogenannten Nachsuchen, aber auch als ganz normaler Spaziergänger.

Auch Kunze weiß: Wer illegal Müll entsorgt, muss bislang in der Regel allenfalls mit einem Bußgeld im dreistelligen Bereich rechnen. Hinzu kommt, dass die Täter oftmals nicht zu finden sind. Es sei denn, das Abladen wird beobachtet oder im Müll findet sich irgendein ein Hinweis auf den Verursacher. Das Thema dürfte die Jägerschaft Osterburg weiter beschäftigen. Vielleicht schon bei der jährlichen Hauptversammlung am Freitag, 5. April. Die Zusammenkunft findet im Gasthof Lunkwitz in Bretsch statt. Los geht es um 19 Uhr.

VON MARCO HERTZFELD

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