Aufzeichnungen bereichern so manches Osterburger Ehemaligentreffen

Hunderte Klassenbücher reizvoll in Reih und Glied

Susann Müller zeigt eines der Klassenbücher. Die Bildungsstätte, die schon bald „Grundschule am Hain“ heißen wird, kann eine umfangreiche Sammlung an Aufzeichnungen vorweisen. Foto: Hertzfeld

Osterburg. „Hier kommen nicht viele Menschen hin“, sagt Susann Müller nach etlichen Treppenstufen hinauf und öffnet die Tür zum Archiv der Osterburger Grundschule. In einem hinteren Raum des Dachbodens lagern die Klassenbücher aus der DDR. Ein Stück lokaler Zeitgeschichte.

Die Schulsachbearbeiterin, die den traditionsreichen Osterburger Lernort als Mädchen auch selbst einmal besucht hat, greift sich eines der Bücher aus dem Regal, blättert kurz darin und bittet darum, die Kamera doch nur in einem bestimmten Abstand einzusetzen. „Schließlich muss nicht jeder wissen, wer damals welche Noten hatte. “ Im Arbeiter- und Bauernstaat war die Bildungsstätte eine Polytechnische Oberschule und trug den Namen des Kommunisten Wilhelm Pieck. Die Sammlung beginnt mit 1951 und setzt sich chronologisch fort. Für einige wenige Anfangsjahre fehlen die Aufzeichnungen. „Wo sie sind, weiß keiner“, erklärt die 49-Jährige lachend. Dass sie jemand bewusst hat verschwinden lassen, daran glaubt sie nicht.

Hunderte Bücher stehen in Reih und Glied. „Die POS hatte zehn Klassenstufen und war zweizügig. In der Regel bewahren wir hier also 20 Klassenbücher pro Jahrgang auf.“ Dazu verpflichtet sei die Schule nicht. Die Werke hätten vor allem einen emotionalen Wert. Wenn ehemalige Schulkameraden ein Klassentreffen organisieren, kann die Sammlung ein solches Stelldichein ungemein bereichern. Ob da jemand früher eine Riesenleuchte war oder doch eher ein durchschnittlicher Schüler, spiele in der Regel keine große Rolle. Es sind die Namen aus Kindheitstagen, die Einträge zu den einzelnen Personen, die kollektiv berühren. In den realsozialistischen Klassenbüchern lassen sich auch Angaben finden, die heutzutage ziemlich unüblich sind. Müller deutet beispielhaft auf eine Spalte, in der die soziale Herkunft vermerkt ist. Der Buchstabe A kommt häufig vor. Er steht für Arbeiterkind.

Wichtig sind die Bücher auch, wenn es um die Rente geht und Originaldokumente verschludert wurden. Müller stellt das Exemplar zurück ins Regal und merkt plötzlich, dass sich an einem Punkt der Wand leichte Feuchtigkeit gebildet hat. „Da müssen wir aufpassen.“ Weiter vorn lagern die Klassenbücher der Nachwendegeneration. Auch in anderen Räumen befinden sich noch Dokumente der Vergangenheit. „Ich bin da wie ein Jäger und Sammler, kann nichts wegwerfen“, sagt Müller und lächelt. Ein kleiner Schatz, ein Klassenbuch aus dem 19. Jahrhundert, befindet sich nicht im Archiv, es wird gesondert gehütet.

Inzwischen ist ein Großteil der Dokumente in einen anderen Teil der Schule gebracht worden, der Rest soll folgen.

Von Marco Hertzfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare