Giftattacken: Tierrechtstruppe Peta denkt an höhere Belohnung für Hinweis

Hundehasser gerät stärker ins Visier

+
Deutschlandweit soll es immer mehr Giftangriffe auf Hunde geben. Das meldet zumindest Peta. 

Osterburg – Im Fall ausgelegter Giftköder gegen Hunde in Osterburg will Peta den Druck erhöhen. Werden weitere Opfer bekannt, könnte die Tierrechtsorganisation mit Hauptsitz in Stuttgart die Belohnung für Hinweise von 500 auf 1.000 Euro erhöhen.

„Oftmals melden sich bei uns Tierfreunde, die ebenfalls etwas dazugeben, um die Suche nach dem Täter zu unterstützen“, teilt Sprecherin Judith Pein auf Nachfrage der AZ mit. Wiederholt haben Anwohner im Bereich Biesebad und Werderwiesen in den vergangenen Wochen Hackfleisch mit Gift gefunden. Dort sind die Menschen mit ihren Vierbeinern besonders gern unterwegs.

„Mit Gift oder scharfkantigen Gegenständen wie Nägel, Schrauben oder Rasierklingen präparierte Köder wurden in den letzten Jahren bundesweit häufig ausgelegt.“ Peta erfahre fast täglich von solchen Attacken. „Seit 2015 beobachten wir einen starken Anstieg“, führt die Sprecherin aus, ohne auf die Schnelle konkrete Zahlen zu nennen. „Wenn sich Fälle in einer Region häufen, wenn die Polizei ermittelt und nach Hinweisen sucht oder wir Hilferufe von Betroffenen erhalten, schalten wir uns ein.“

Die Ermittlungen im Osterburger Fall gestalten sich offenbar schwierig. Mitte Dezember war die Polizei mit einem Zeugenaufruf an die Öffentlichkeit gegangen. Eine wirklich heiße Spur scheint es noch nicht zu geben. Der Täter müsse mit einem Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz rechnen, weiß Polizeisprecher Dirk Marscheider. Außerdem wurde eine Sachbeschädigung begangen, weil Tiere rechtlich als Sache gelten. Ist das Gift genau analysiert, könnten weitere Straftatbestände dazukommen.

Der Hund einer Osterburgerin überlebte eine Giftattacke nur, weil er sofort in eine Tierklinik kam. Andere Hunde sollen an Giftködern gestorben sein. „Den Tod eines Tieres entnahm die Polizei bislang unbestätigten Hinweisen aus den sozialen Medien“, informiert Sprecher Marscheider. Auch hier laufen die Ermittlungen. Eine Biesestädterin hatte der AZ vom mutmaßlich vergifteten Hund einer Bekannten berichtet. Der Vorfall soll bereits etwa zwei Monate her sein. Eine Anzeige in dieser Sache ist laut Polizei nicht eingegangen.

Meistens seien Hunde die Opfer, meint Peta-Sprecherin Pein. Zudem gebe es immer wieder Meldungen von Katzen oder Wildtieren, die solche Köder gefressen hätten. „Nicht unterschätzt werden darf die Gefahr, die von den Ködern ebenso für Kinder ausgeht. Gerade wenn Köder bevorzugt in gut besuchten Parkanlagen oder womöglich auch in der Nähe von Spielplätzen ausgelegt werden.“ Das Osterburger Flussbad an den Werderwiesen zählt gerade ab Mai zu den beliebtesten Freizeitstätten der Gegend. „Leider ist es meist schwer, Tierquäler zu überführen.“ Die ausgelobte Belohnung für Hinweise auf den Täter passiere eigenständig und nicht in Zusammenarbeit mit der Polizei. Doch natürlich: Hinweise leite Peta direkt und schnell an diese weiter, beteuert Pein gegenüber der AZ. „Es gibt häufig konstruktiven Kontakt mit den Behörden und man spricht sich ab, ob eine Belohnung Sinn macht.“ Das sei bei diesen Giftattacken in Sachsen-Anhalt nicht anders. Peta wolle die Polizei unterstützen und Täter abschrecken.

Peta Deutschland wurde Anfang der 1990er-Jahre gegründet und ist eigenen Angaben zufolge eine Partnerorganisation von Peta USA, der mit sechseinhalb Millionen Unterstützern weltweit größten Tierrechtsorganisation. Sie finanziert sich fast ausschließlich über Spenden. Die Organisation kämpft gegen Massentierhaltung, Fleischindustrie, Tierversuche, Trophäenjagd und anderes mehr. Kritiker sehen in Peta eine Art selbst ernannte Stallpolizei, lehnen deren Kampagnen ab und sehen insbesondere die propagierte Gleichsetzung zwischen Tier und Mensch skeptisch.

Von Marco Hertzfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare