Ausweitung der Lkw-Maut auf Bundesstraßen führt zu größerer Belastung der Betriebe

Höhere Baupreise befürchtet

Seit dem 1. Juli gilt die Maut für Lkw auch auf den Bundesstraßen. Vielen Firmen aus dem Baugewerbe wird nichts anderes übrig bleiben, als die Mehrausgaben auf ihre Kunden umzulegen.

Osterburg. Die seit dem 1. Juli dieses Jahres auch für Bundesstraßen geltende Lkw-Maut für Bundesstraßen wird laut Gerhard von Dehn Rotfelser, Präsident des Baugewerbeverbandes Sachsen-Anhalt, zu höheren Baupreisen führen.

„Wir sind kein stationärer Wirtschaftszweig, unsere Unternehmen müssen mit ihrem gesamten Equipment flexibel sein, um von Baustelle zu Baustelle zu gelangen. Ob Abbruch, Schüttgut, Mauersteine, Ziegel, Pflaster, Beton oder Holzbalken, alles muss transportiert werden. Die erheblichen finanziellen Mehrbelastungen durch die Maut werden an die Auftraggeber weitergegeben werden müssen. Denn trotz guter Auftragslage müssen Bauunternehmen mit ‘spitzem Bleistift’ rechnen.“

Baupreise sind Kalkulationspreise, in die auch die neue Kostenart einfließen wird. Letztendlich wird der Verbraucher die Maut bezahlen müssen“, ist Rotfelser von den negativen Folgen der Maut überzeugt. Die zusätzlichen Einnahmen aus der Lkw-Maut für Bundesstraßen werden auf 2,5 Milliarden Euro pro Jahr beziffert.

Hiesige Bauunternehmer sehen das ähnlich. „Für uns als Unternehmer ist es nicht zuletzt ein Problem bei der Kalkulation. Wir nehmen natürlich unsere Aufträge mit einer gewissen Vorlaufzeit an und bei vielen war noch nicht abzusehen, um wie viel teurer das Material unserer Zulieferer wird“, erklärt Bauunternehmer Hans Joachim Henning aus Osterburg. Dies gelte vor allem für Bauprojekte bis Ende des Jahres. Weiter sagt Henning, dass für sein Unternehmen beispielsweise Beton aufgrund der Maut 1,50 Euro pro Kubikmeter teurer werde. „Letzten Endes sind die Kosten zwar überschaubar, aber gerade privaten Bauherren tut natürlich jeder zusätzliche Euro weh.“

Obwohl selbst nicht betroffen, geht Gerüstbauunternehmer Gundolf Wegner hart mit der Politik ins Gericht: „Wir selbst sind nicht betroffen, da die Maut erst für Lkw ab einem Gewicht von 7,5 Tonnen gilt, aber die zusätzlichen Kosten sind für manche Unternehmen eine große Belastung. Die Politik geht hier den völlig falschen Weg“, meint Wegner. Im vergangenen Jahr hat die Bundesregierung laut darüber nachgedacht, die Maut eventuell auf Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen auszuweiten. Dann wären auch Unternehmer wie Gundolf Wegner betroffen.

Helge Michaelis, Geschäftsführer bei Ostbau, Osterburgs größter Baufirma, sieht die Maut als einen von vielen Kostenfaktoren: „Die Inflationsrate und auch der Bauboom führen zu stetig steigenden Kosten. Da ist die Maut ein weiterer Faktor“, führt er aus. Die höheren Kosten werde die Branche an die Kunden weitergeben. „Nach derzeitigem Stand geht man in der Branche von Preissteigerungen von etwa drei bis vier Prozent aus“, sagt Geschäftsführer Michaelis weiter.

Bislang kann jedoch nur geschätzt werden, wie sich die höheren Kosten durch die Maut auf die Baubranche auswirken werden, da bislang aufgrund der Tatsache, dass die Maut für Bundesstraßen erst seit Juli gilt, und daher noch keine verlässlichen Zahlen vorliegen.

Von Tobias Henke

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