Landkreis belässt es bei einer Kamera pro Säule / Erxlebener Anlage spült 18 000 Euro in die Kasse

Hightech-Blitzer bleibt wechselhaft

+
Ob nun wie hier bei Nacht oder am Tag, die Blitzer in Erxleben sind scharf gestellt.

Erxleben. Der Landkreis will die stationären Hightech-Messgeräte gegen Raser in Erxleben nicht aufrüsten und gibt sich mit ihrer Wirkung zufrieden. „Beide Säulen können jeweils in beide Richtungen messen.

Sie sind und bleiben jedoch jeweils nur mit einer Kamera bestückt“, informiert Kreissprecher Edgar Kraul auf Nachfrage der AZ. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes sorge in bestimmten Abständen für einen Wechsel. „Den Säulen kann man es nicht ansehen, ob die Kamera gerade in Richtung Ortsausgang oder in Richtung Ortsmitte zeigt. “ So dürfte es auch für Ortskundige und Kenner der Blitzer nicht einfach, ja schier unmöglich sein, sich auf die Gefahr einzustellen und das Gaspedal ohne Sinn und Verstand durchzutreten.

Nach einigem Hin und Her, Vorprüfungen der Polizei und Diskussionen im Kreistag sind die Messsäulen an der viel befahrenen Bundesstraße 189 im Oktober 2016 in Betrieb gegangen. Nach Einschätzung des Landkreises Stendal hat das Aufstellen der Anlagen zu einer spürbaren Verkehrsberuhigung in der Osterburger Ortschaft beigetragen. „Diese Aussage haben die Mitarbeiter des Ordnungsamtes getroffen, die regelmäßige Vor-Ort-Kontrollen machen. Die Auffassung wird in Gesprächen mit Menschen vor Ort auch von den Einwohnern Erxlebens geteilt.“

Sollten sich Erxlebener auch Informationen zur Schadstoffbelastung an der B 189 wünschen, muss Kraul sie enttäuschen. Der Landkreis sei schlichtweg nicht zuständig. Weder Ordnungs- noch Umweltamt könnten irgendwelche Regelungen treffen oder Messungen veranlassen. „Die Messung von Luftschadstoffen wird durch das vom Landesamt für Umweltschutz betriebene Luftüberwachungssystem Sachsen-Anhalt (LÜSA) durchgeführt.“ Angeboten werde im Übrigen sogar eine Smartphone-App zur Luftqualität in Sachsen-Anhalt (LÜSA-App).

Der Landkreissprecher hat für die AZ in die Statistik schauen lassen. Die Zahlen für Dezember liegen noch nicht vor. Zwischen Januar und November sind fast 2,4 Millionen Fahrzeuge durch die Hightech-Geräte gemessen worden. 13 011 Frauen und Männer waren zu schnell unterwegs, die Lasertechnik löste aus. 684-mal lag die Geschwindigkeit so deutlich über das erlaubte Tempo 50, dass die zentrale Bußgeldstelle in Magdeburg zuständig wurde. Den traurigen Rekord in diesen elf Monaten soll ein VW-Fahrer mit 105 Sachen errungen haben.

Ist die Temposünde nicht ganz so groß, profitiert der Landkreis direkt. Das Verwarngeld fließt in seine Kasse. Auf den Cent genau sind das: 198 909,48 Euro. Damit liegen die Einnahmen über den Ausgaben. Die Messsäulen sind gemietet. Hinzu kommen unter anderem Kosten für Wartung, Verwaltungspersonal sowie Porto und Papier der Bescheide. Das macht zusammen etwas mehr als 180 600 Euro. Unterm Strich und einfach gerechnet bleiben demnach locker 18 000 Euro übrig.

Weitere stationäre Anlagen zur Verkehrsüberwachung unter der Ägide des Landkreises sind laut Kraul momentan nicht geplant. Die Hansestadt Stendal setzt in ihrem Gebiet mobile Geräte ein und ist ausreichend groß, um eigenverantwortlich feste Messgeräte aufstellen zu lassen. Seit April 2014 nehmen zwei Messsäulen Raser in der Stendaler Ortschaft Buchholz, ebenfalls an der B 189 gelegen, ins Visier. Darüber hinaus müssen Schnellfahrer in Ostaltmark und Elbe-Havel-Winkel mit mobilen Messgeräten von Landkreis und Polizei rechnen.

Von Marco Hertzfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare