Dentallabor wartet seit halbem Jahr auf „Gelbe Tonne“ / Entsorger: Steht nicht zu

Ein Handwerker zeigt Zähne

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So einen Container wünscht sich Thomas Grünthal auch für sein Dentallabor. Der Ostaltmärker wartet bereits seit einem guten halben Jahr auf einen Großbehälter für Leichtverpackungen.

Osterburg. „Langsam nehme ich das persönlich.“ Thomas Grünthal ist stinksauer auf die Abfallwirtschaft. Der Kampf um eine unentgeltliche Gelbe Tonne füllt inzwischen mehrere DIN-A4-Seiten.

Der Osterburger ist fest davon überzeugt, dass seinem Dentallabor an der Bismarker Straße ein 1200-Liter-Container für Verpackungen zusteht. Er vermutet, dass sich die Firma Cont-Trans schlichtweg verkalkuliert hat und nicht ausreichend Behälter zur Verfügung stellen kann. Das Tangerhütter Unternehmen hat die Gelbe Tonne im Auftrag des Landkreises flächendeckend in der Ostaltmark eingeführt und ist für die Abfuhr zuständig. „Wenn sich nicht sehr bald etwas tut, schalte ich einen Anwalt ein. Das ist doch alles eine riesengroße Sauerei. So geht man nicht mit Menschen um“, schimpft Grünthal.

Ende des vergangenen Jahres hat sich der Biesestädter das erste Mal um einen Großbehälter bemüht, so wie es für Gaststätten, Apotheken, Krankenhäuser, Friseure und andere gewerbliche Einrichtungen gefordert war. Ohne Erfolg. Auch weitere Versuche liefen ins Leere. Per E-Mail kam schließlich Mitte Januar der Verweis auf eine gelieferte 240-Liter-Tonne, die doch bitte schön für die insgesamt fünf gemeldeten Personen in den drei Privathaushalten in dem Gebäude reichen müsse. „Ich habe den Herrschaften daraufhin zu erklären versucht, dass es sich bei uns um einen in der Handwerksrolle eingetragenen Betrieb handele. Wir bekommen zudem recht viele Materiallieferungen und haben entsprechend viel Verpackungsmaterial, das sowieso in keine normale Gelbe Tonne passt.“

Doch Cont-Trans sei bei seiner Einschätzung geblieben. „Der Anruf hat mich regelrecht fassungslos gemacht.“ Der Verpackungsmüll drohe ihm allmählich über den Kopf zu wachsen.

Grünthal will nicht lockerlassen und kämpfen. Der Unternehmer hat bei der Handwerkskammer und der Verbraucherzentrale angerufen. Von der landkreislichen ALS-Dienstleistungsgesellschaft mit Sitz in Osterburg bekam er Auszüge der betreffenden Verordnung zugeschickt und sieht sich seitdem noch mehr im Recht. Seine Zahntechnikfirma dürfe sehr wohl in dieser Form vom dualen System profitieren.

Zu diesem Urteil gelangt auch das Umweltministerium in Magdeburg. Auf Anfrage der AZ heißt es: „Grundsätzlich kann ein Handwerksbetrieb (Dentallabor) als vergleichbare Anfallstelle nach Paragraf 3 Absatz 11 Verpackungsverordnung eingeordnet werden.“ Leichtverpackungen aus Grün- thals Betrieb seien wie die privater Haushalte unentgeltlich zu entsorgen. Das Landesverwaltungsamt habe sich als Fachaufsichtsbehörde bereits an den Entsorger in Tangerhütte gewandt, um den Einzelfall prüfen zu lassen. „Das war irgendwann im April. Seitdem ist nichts passiert. Alles spricht für uns, doch Cont-Trans stellt sich stur“, meint Grünthal.

Auf Nachfrage der AZ reagiert Thomas Winter, Projektleiter bei Cont-Trans, recht reserviert auf das Thema. „Eine Gelbe Tonne, zumal in der Größe, steht dieser Firma nicht zu. Das gilt auch für andere Unternehmen dieser Art.“ Bei den dort anfallenden Dingen handele es sich nun mal nicht um sogenannte Endverbraucherverpackungen, meint Winter.

Von Marco Hertzfeld

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