AfD-Attacke gegen Osterburger Gymnasium zieht weitere Kreise / Schulenburg fordert Entschuldigung

Landespolitik meldet sich zu Wort: „Hässliche Entgleisung“

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Magdeburg / Osterburg. Selten sorgt die Aktion einer Schule für solche landesweite Aufmerksamkeit wie die der Projektgruppe „Schule ohne Rassismus“ im Osterburger Markgraf-Albrecht-Gymnasium für Toleranz und Weltoffenheit.

Große Empörung haben die heftigen Reaktionen darauf durch André Poggenburg ausgelöst.

Der AfD-Landeschef hatte von Indoktrination gesprochen, Disziplinarmaßnahmen gegen die Lehrer der Schule gefordert und juristische Schritte gegen die Altmark-Zeitung angedroht, die über die Aktion berichtet hatte. Der altmärkische AfD-Abgeordnete Ulrich Siegmund sprach sogar von „Zuständen wie im Dritten Reich“ (AZ berichtete). Die regionalen Landtagsabgeordneten der anderen Parteien meinen, dass sie sich damit selbst entlarven.

Dorothea Frederking (Grüne): „Es spricht Bände, dass sich die AfD angegriffen fühlt, wenn es um Toleranz und Weltoffenheit geht.“

Es spreche Bände, dass sich die AfD angegriffen fühle, wenn es um Toleranz und Weltoffenheit geht, meint Dorothea Frederking (Grüne). Die Aktion sei von den Schülern initiiert und die Partei dabei nicht einmal erwähnt worden. Der Presse wegen einer nicht genehmen Berichterstattung mit juristischen Konsequenzen zu drohen, sei ein Versuch, die Meinungsfreiheit einzuschränken.

Wulf Gallert (Linke): „Die würden am liebsten alles verbieten, was ihnen nicht passt. Ich habe Hochachtung vor der Schüler-Aktion.“

„Darin zeigt sich ein diktatorisches Staatsverständnis“, pflichtet ihr Wulf Gallert (Linke) bei. „Die würden am liebsten alles verbieten, was ihnen nicht passt und, wenn sie die Chance dafür hätten, die Schule selbst für ihre Indoktrination missbrauchen“, sagt der Landtagsvizepräsident. Es gebe auch genügend Belege für rassistische Positionen in der AfD. Er habe Hochachtung vor der Schüler-Aktion, die völlig legitim sei. Es sei viel zu selten, dass solche Themen an Schulen offen und kontrovers diskutiert würden.

Chris Schulenburg (CDU): „Sich selbst als Opfer darstellen, dann aber mit der politischen Moralkeule auf alles einschlagen, was anders denkt.“

„Ich finde es fabelhaft, dass sich die Schüler und Lehrer mit bunten Aktionen gegen jede Form von Rassismus ausgesprochen haben“, meint auch Chris Schulenburg. Mit der Reaktion sei deutlich geworden, wie die AfD in Sachsen-Anhalt arbeite. „Sich selbst als Opfer darstellen, dann aber mit der politischen Moralkeule auf alles einschlagen, was anders denkt.“

Auch Schulenburg sieht keine Neutralitätsverletzungen durch die Lehrer und fordert daher „eine öffentliche Entschuldigung für die hässliche Entgleisung der Herren Poggenburg und Siegmund“. Er bedauert, dass beide so viel Aufmerksamkeit erhielten. „Denn das war das eigentliche Ziel“, ist er sich mit Frederking und Gallert einig.

Von Christian Wohlt

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