Biedermeier-Christmarkt am dritten Adventswochenende in Werben (Elbe)

Händler aus nah und fern dabei

Am Stand von Werner Eifrig wird es wieder die tollsten Scherenschnitte geben.

Werben. Was anfangs für Verwunderung sorgte, ist inzwischen selbstverständlich: Am dritten Adventswochenende hält die Biedermeierzeit (1815–1848) Einzug in der alten Hansestadt Werben. Und dies nunmehr zum achten Mal.

Auch Gellerichs Buchladen ist wieder dabei, wenn in Werben zum Biedermeier-Weihnachtsmarkt eingeladen wird. 44 verschiedene Stände warten auf zahlreiche Besucher. Fotos (2): privat

Im Schutze der mächtigen Johanniskirche sind 44 mit derbem Stoff bespannte Buden dicht an dicht aufgebaut. Darin bieten Händler aus nah und fern viele schöne Dinge feil, die es auch damals schon gab: Holzspielzeug für die Kinder, stimmungsvolle Scherenschnitte, feine Seifen, Kerzen aus Bienenwachs, Gefilztes, Gestricktes und Getöpfertes, aromatische Kräutersalze, süße Goldnüsse, ebenso Wurst, Fisch, Käse und Honig aus der Region und vieles mehr. Schmied und Zimmermann zeigen handwerkliches Können. Überall geht es ruhig und beschaulich zu. Nach Einbruch der Dunkelheit erstrahlt das Geschehen im Kerzenschein, denn elektrisches Licht und Strom kannten die Menschen im Biedermeier noch nicht.

Was in der schnelllebigen Zeit vielfach fehlt, gab es damals im Überfluss: unverbaute Landschaften, wohlerhaltene Städte und Dörfer, Stille und Beschaulichkeit. Nicht nur zu Weihnachten besann man sich auf die Familie und die Gemeinschaft. Typisch in dieser Zeit waren Hausmusik, Liedertafeln, Lesungen, Spiele, Scharaden, Tanzvergnügen und nicht zuletzt das Papiertheater. Es ging aus den perspektivischen Guckkästen des 18. Jahrhunderts hervor und wurde im 19. Jahrhundert zum Lieblingsspielzeug der bürgerlichen Wohnstuben – und das für Eltern wie Kinder gleichermaßen. Die Besucher des Biedermeier-Christmarktes können dieses seltene Vergnügen erstmals erleben. Das FigurenTheater Liselotte aus Berlin zeigt „Kalif Storch“ nach einem Märchen von Wilhelm Hauff. Die Aufführungen finden am Sonntag ab 12 Uhr und ab 16 Uhr im Privathause Eifrig, Marktplatz 17 / Ecke Seehäuser Straße, statt. Eintrittskarten können auf dem Markt erworben werden.

Typisch für das Biedermeier sind auch die vierspännige historische Postkutsche, der exklusiv in Werben erscheinende Biedermeier-Marktbote und der heilige Nikolaus mit seinem Knecht Ruprecht, dem die Kinder mit etwas Glück begegnen können.

Darüber hinaus gibt es vielfältige kulturelle Darbietungen. Hierzu zählt am Sonnabend ab 13 Uhr die Eröffnung der Ausstellung über den Werbener Maler der Biedermeierzeit, Christian Köhler, in der St.-Johanniskirche. Ab 14 Uhr und ab 15.30 Uhr sind die Kinder zur Märchenstunde und zum Puppenspiel „Die kluge Bauerntochter“ eingeladen. Ab 15 Uhr hat die Werbener Feuerwehrblaskapelle ihren Auftritt, und ab 17.30 Uhr bringen Chöre der Region die St.-Johanniskirche bei ihrem traditionellen Adventskonzert zum Klingen.

Der Sonntag beginnt mit einem Gottesdienst (9.30 Uhr) und einer Kirchenführung (11 Uhr). Ab 14 Uhr kommt das Kinder-Weihnachtsmusical „Wir ziehen von Haus zu Haus“, ein Gemeinschaftsprojekt des Kirchspiels Werben mit der Kirchengemeinde Bad Wilsnack, zur Aufführung. Das Chorkonzert der Kantorei Osterburg ab 17 Uhr bildet den musikalischen Abschluss.

Ein neues Angebot hält der Förderverein Werben für Kinder bereit: An beiden Tagen können die Kinder in Biedermeierkostüme schlüpfen und im warmen Pfarrhaus basteln wie früher. Aufwärmen kann man sich auch bei einer köstlichen heißen Schokolade in der Chocolaterie „Kalif Storch“ an der Seehäuser Straße 12.

Der besondere Christmarkt verbindet das Schöne mit dem Nützlichen. Die Spenden von Gästen und Händlern dienen der Erhaltung der wertvollen, aber gefährdeten Werbener Altstadt, für die sich der gemeinnützige Arbeitskreis gleichen Namens stark macht. Vor allem durch die Biedermeier-Märkte sind viele Menschen auf Werben aufmerksam geworden. So konnten bereits 17 teilweise leer stehende Häuser in der Werbener Altstadt an neue Eigentümer vermittelt werden. Auch im Ortsteil Räbel haben sich engagierte Neubürger angesiedelt.

Die Marktzeiten sind am Sonnabend, 10. Dezember, von 12 bis 19 Uhr und am Sonntag, 11. Dezember, von 11 bis 17.30 Uhr. Der Biedermeier-Christmarkt findet in diesem Jahr an der Ostseite der St.-Johanniskirche statt, da aufgrund nicht abgeschlossener Bauarbeiten der Kirchplatz nicht zur Verfügung steht.

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