Vor 100 Jahren Gut und Schloss Krumke erworben

Von Gwinner: Lebenserinnerungen

Aufmerksam verfolgten die Zuhörer auch den Kurzfilm über die Lebensgeschichte des Bankiers und Außenpolitikers.

Krumke. Von einem regen Publikumsinteresse geprägt waren der von einem Kurzfilm illustrierte Vortrag über das Leben und die Bedeutung des Bankiers Arthur von Gwinner in der deutschen Finanzpolitik im 19. und in der ersten Hälfte des 20.

Jahrhunderts und die Eröffnung einer ebenso thematisierten Ausstellung im Kavaliershaus Krumke am vergangenen Freitagabend. Vor 100 Jahren hatte v. Gwinner das Gut und Schloss Krumke erworben, um fernab von der Großstadt und den Finanzmärkten ein wenig Ruhe in sein Leben und das seiner Familie zu bringen. Er gab dem Park mit zum Teil exotischen Gehölzen ein neues Gesicht; der Park genießt Denkmalschutz, und so war er auch am Tag des offenen Denkmals geöffnet, wobei Osterburgs Stadtgärtner Ulf Garlipp bei den Parkführungen besonders auf die von Gwinner stammenden dendrologischen Besonderheiten hinwies.

Doch zurück zum Freitagabend, dem auch der amtierende Bürgermeister der Einheitsgemeinde Detlef Kränzel und Ortsbürgermeister Klaus-Peter Gose durch ihre Anwesenheit Aufmerksamkeit schenkten: Nach der Begrüßung durch Antje Spillner, Leiterin des Haupt- und des Bauamtes der Einheitsgemeinde Hansestadt Osterburg, führte Frank Hoche, Leiter der Kreismuseen, seine Zuhörer durch das Leben Arthur v. Gwinners von Kindheit und Jugendzeit in einer bürgerlichen Familie, von der Ausbildung im Finanzmanagement bis in die Chefetage der 1870 gegründeten Deutschen Bank. Vielfältige internationale Geschäfte hatte der auch diplomatisch geschulte Bankier in enger Zusammenarbeit mit Georg von Siemens unter Dach und Fach gebracht, war beispielsweise am Erdölgeschäft mit Rumänien und an der Finanzierung der Bagdad-Bahn im Auftrag der Deutschen Bank maßgeblich beteiligt. Von ihm stammt der Ausspruch: „Es gehört Talent zu allem, aber zum Borgen gehört Genie“. Arthur v. Gwinner starb am 29. Dezember 1931 in Berlin und bekam seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Krumke. Die damalige Osterburger Zeitung widmete ihm einen längeren Nachruf.

In der Ausstellung konnte man das Gehörte und das im Film „Lebenserinnerungen“ Gesehene nochmals in Ruhe verinnerlichen. Stoff für Gespräche gab es genug. Charlotte Ende, die sich offensichtlich mit dem Leben Gwinners beschäftigt hatte, meinte: „Herr v. Gwinner hatte für Krumke sehr viel menschlich und finanziell getan. Zum Beispiel hat ihm das Dorf die Straße und die Brücke, die gegenwärtig saniert wird, zu verdanken.“ Antje Spillner bedankte sich für die Unterstützung bei der Zusammenstellung der Ausstellung bei Herrn Frost von der Deutschen Bank, Frank und Charlotte Ende für deren persönliches Engagement und Zeitzeugen, die mit Erinnerungen aus ihrer Kindheit beigetragen haben. Das Buch „Lebenserinnerungen“, vom 70-jährigen v. Gwinner verfasst, und ein gleichnamiges Hörbuch standen zum Verkauf ; der Erlös kommt dem Park zugute.

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Oktober während der Öffnungszeiten des Cafés zugänglich. Am 23. Oktober, ab 17 Uhr, liest Danuta Ahrends aus dem Buch „Willst du meine Witwe werden“ von Lieselotte Orgel Purper.

Von Frank Schmarsow

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