Burgwall-Anlage wird nicht plattgemacht / Theuring: Pachterhöhung moderat

Grünes Licht aus England: Kleingärten dürfen bleiben

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Wolf-Dieter Theuring befindet sich nicht nur wegen der ersten Sonnenstrahlen nach langer Zeit in Aufbruchstimmung. Das Durcheinander bei den Kleingärtnern am Burgwall scheint überwunden. Die Führungskräfte schauen optimistisch in die Zukunft.

Osterburg. Die Gemeinschaft der Kleingärtner am Burgwall in Osterburg hat eine Zukunft. „Uns fällt ein riesengroßer Stein vom Herzen“, sagt Wolf-Dieter Theuring der AZ. Mit dem Eigentümer der Flächen, einem Privatmann aus Großbritannien, sei erfolgreich verhandelt worden.

Die Laubenpieper können ihre Parzellen behalten. Zwar sei die Pacht erhöht worden, dies jedoch recht moderat, sodass alle damit leben können sollten. „Das Blatt hat sich für uns zum Positiven gewendet. “ Ende des Jahres sah alles noch ganz anders aus. Der Verein wurde aufgelöst, die bestehenden Verträge gekündigt. Die doch eher ungewöhnlichen deutsch-englischen Besitzverhältnisse basierten auf einer Erbgeschichte, deren Anfang noch vor der DDR-Zeit liege.

Über die Gründe für den Ärger möchte Theuring nicht mehr groß reden. Nur so viel: Es hatte Beschwerden aus der Bevölkerung gegeben. Auch benahmen sich einige wenige Kleingärtner nicht so, wie es sich in einer solchen Gemeinschaft gehöre. Der Eigentümer zog schließlich die Reißleine. Mehrere Dutzend Kleingärtner in über 100 Parzellen standen quasi vor dem Nichts. Spekulationen schossen ins Kraut. Doch so einfach verkaufen lasse sich dieser Flecken Erde am Rande der Stadt ja sowieso nicht, befinden sich darunter doch die Reste einer slawischen Burg. „Wir säen und ernten sozusagen auf historischem Boden.“ Wasser aus der Leitung und Strom gibt es dort nicht.

Dass die Verhandlungen mit dem Eigentümer nicht nur wegen der Entfernung schwierig waren, daraus macht Theuring, der den früheren Kleingartenverein „Burgwall“ anführte, kein Geheimnis. Anfangs habe eine für ihn unfassbar hohe Pacht im Raum gestanden. Statt wie bis dahin drei Cent pro Quadratmeter sollten nun mehr als 30 Cent bezahlt werden. „100 Euro im Jahr oder noch mehr – das hätte kaum einer so einfach aufbringen können und wollen. Es gibt viele Rentner und Hartz-IV-Empfänger unter uns“, weiß Ingeborg Kiesewetter, die an Theurings Seite verhandelt hat. Beide sind beim Eigentümer auch in der Pflicht, für Ordnung und Sicherheit in der Anlage zu sorgen. Irgendeinen Verwalter von außen, eine Firma, einzusetzen, würde nur die Kosten in die Höhe treiben.

Die Kleingärtner schauen nach der vielen Aufregung nun ziemlich optimistisch in die Zukunft. Ein Großteil der Parzellennutzer habe bereits einen neuen Vertrag unterzeichnet. Weitere Interessierte seien willkommen. Die Pacht liegt aktuell bei fünf Cent pro Quadratmeter. „Burgwall bleibt Burgwall, nur einen Verein gibt es nicht mehr“, bringt es Theuring für sich auf den Punkt und blickt zur Erde, von der aus sich schon sehr bald die ersten Blumen in Richtung Sonne strecken wollen.

Von Marco Hertzfeld

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