Osterburger Familie Less wurde einen Tag nach der Reichspogromnacht von der SA attackiert

Das Grauen jährt sich

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In Erinnerung an Familie Less hat ein unbekannter Bürger an den der jüdischen Familie gewidmeten Stolpersteinen Rosen abgelegt.

Osterburg. Heute vor 80 Jahren brannten im Deutschen Reich Synagogen und jüdische Einrichtungen, es kam zu zahlreichen Übergriffen auf Juden. In der Hansestadt Osterburg ist vor allem die Geschichte der Familie Less dokumentiert.

„Moritz Less hatte ein Schuhgeschäft und war ein angesehener Kaufmann, auch hatte er im Ersten Weltkrieg gedient“, sagte Frank Hoche, Leiter des Kreismuseums gegenüber der AZ.

Im Unterschied zu vielen anderen Städten kam es in Osterburg nicht am 9., sondern am 10. November zu einer Attacke der SA gegenüber dem Geschäft, bei dem Fenster eingeschlagen und Inventar zerstört wurde. Less wandte sich anschließend an die Polizei, die ihm jedoch sagte, dass sie nichts für ihn tun könne.

Frank Hoche zeigt ein Plakat von Moritz Less.

Zynischerweise forderten die Nationalsozialisten nach den von ihnen angerichteten Verwüstungen und Zerstörungen von den in Deutschland lebenden Juden eine finanzielle „Sühneleistung“ für die Zerstörungen. Dazu gib es im Kreismuseum eine Quelle, die belegt, dass Familie Less dieses Geld bezahlt hat. Ohne diese Zahlung hätten die Voraussetzungen gefehlt, dass die beiden ältesten der drei Töchter von Moritz Less, die 1916 geborene Liselotte und die 1912 geborene Ruth, nicht nach Großbritannien hätten emigrieren können. Seine Frau Rosa starb 1934 in einem Berliner Krankenhaus.

Die Bevölkerung in Osterburg war gespalten. Manche wandten sich von Familie Less ab und beteiligten sich an Anfeindungen, in dem sie etwa Schilder aufstellten, auf denen „Hier sind Juden unerwünscht“ stand, aber er hatte auch Unterstützung aus der Nachbarschaft.

Bis in die 1990er Jahre war der Stand laut Hoche, dass Familie Less die einzige jüdische Familie gewesen sei, die damals in Osterburg gelebt habe, doch es gebe inzwischen einige Hinweise, dass noch weitere einzelne jüdische Bürger hier gelebt haben. Moritz Less und seine Töchter haben den Holocaust überlebt.

Von Tobias Henke

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