Alt-Superintendent Sommer will Düsedauer Geläut für fünfstelligen Betrag in Form bringen

Den Glocken fehlt der Schwung

Ein Glockenstuhl und der Zahn der Zeit: Salzwedels Alt-Superintendent Michael Sommer demonstriert, wie sehr die Halterung der großen Düsedauer Glocke aus dem 13. Jahrhundert eine Frischekur nötig hat. Auch ihre zwei kleineren Schwestern bereiten ihm Sorgen.

Düsedau. „Vorsicht, den Kopf einziehen!“ Michael Sommer führt nicht allzu oft neugierige Besucher unter Holzbalken die schmale Treppe hinauf in den Glockenraum der Kirche Sankt Martin in Düsedau. Viel Platz ist dort oben sowieso nicht.

Zwei, drei Leute zugleich können sich zwischen den drei kulturhistorisch wertvollen Klangkörpern aus Bronze noch einigermaßen problemlos bewegen. Salzwedels Alt-Superintendent sieht auf den vielleicht 30 Quadratmetern überall kleinere und größere Baustellen. „In diesem Bereich gibt es erheblichen Sanierungsbedarf. “ Nur zwei der drei Glocken können momentan geläutet werden, und selbst das nicht ganz bedenkenlos. Die kleine Glocke wird geschont. Und nur bei einem der selbsttönenden Musikinstrumente spielt der Klöppel noch ohne große Probleme mit. Ein Glockenbauer ermittelt momentan die Kosten für die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten. Sommer rechnet mit einem fünfstelligen Betrag.

Die Düsedauer sind auf Spenden angewiesen. Allein kann die Kirche das aufwendige Projekt finanziell nicht stemmen. „Ein wenig Geld haben wir bereits beisammen.“ An diesem Nachmittag kann Sommer im Gotteshaus, das zum Pfarrbereich Rochau gehört, verkünden, dass 1000 Euro eingegangen sind. Dass größere private Gaben nicht selbstverständlich sind, weiß er natürlich. Deshalb hoffen alle nicht zuletzt auch auf Fördergeld. Alle entsprechenden Anträge sollen möglichst bald gestellt sein. „Es ist wichtig, dass die Menschen wieder mehr die Glocken hören“, sagt der Kirchenmann und seine Augen verraten, dass er sich dies nicht allein für dieses Dorf wünscht. Ruhestand scheint Sommer nicht wirklich zu kennen. Arbeit gebe es genug. Die Familie lebt erst seit einiger Zeit so richtig im ostaltmärkischen Düsedau, im Elternhaus von Sommers Ehefrau.

„Nun wird es aber langsam Zeit“, mahnt der einstige Superintendent. Während draußen der Winter noch einmal seine Zähne zeigt, es heftig schneit und die Temperaturen in den Keller gehen, ist es Sohn Benjamin, der in die Kirche rufen darf. Ansonsten sind es in der Regel ältere Gemeindemitglieder, die die Glocken läuten. Der älteste Klangkörper stammt aus dem 13. Jahrhundert, die anderen zwei sind 100 und 300 Jahre jünger. Ein Kapitel der gemeinsamen Geschichte sticht heraus: Allein die älteste Glocke blieb von der Naziaktion „Metallspende des deutschen Volkes“ verschont, die jüngeren mussten 1940 schweren Herzens abgegeben werden. Gott sei Dank kamen beide 1949 so gut wie unversehrt in den kleinen Ort nahe Osterburg zurück. Sommer senior mit einigem Stolz zur AZ: „Wir haben mit der großen Glocke die derzeit wohl älteste Glocke im preußischen Altkreis Osterburg.“ Ein kulturgeschichtlicher Wert, der schwer wiege und nun einmal in hohem Maße verpflichte.

Für jeden Sonnabend im März in der Zeit von 17 bis 18 Uhr lädt Sommer zur offenen Kirche mit Büchertisch zugunsten der Glockensanierung ein. Schon bald möchte er mit einem ausformulierten Spendenaufruf an die Öffentlichkeit treten. Möglichst in zwei Jahren soll das Geläut der Düsedauer in alter Herrlichkeit erklingen. Die ersten Schritte sind gemacht. In der Fürbitte dieses späten Nachmittags heißt es: „Herr, wir danken dir für diese Woche und alles Gelungene...“

Von Marco Hertzfeld

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