Rossauer wollen sich gegen Windpark wehren / Zehn Anlagen sind geplant

Getäuscht und schlecht informiert

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Sind die „Spargelstangen“ der Windparks der Preis für die Energiewende? Wenn es nach einigen Rossauer Einwohnern geht, dann nicht. Sie wollen sich gegen einen geplanten Park nahe der Ortschaft wehren.

Rossau. „Muss ich meinen Kopf einziehen?“, sagte Rossaus Bürgermeister Bernd Drong während der Ortschaftsratssitzung am Montagabend an die anwesenden Bürgerinnen und Bürger gerichtet, denn der Ortschef ahnte, worum es ihnen geht.

Einige Rossauer fühlen sich hintergangen und schlecht informiert, zweifelten sogar an der Arbeit des Rates im Sinne der Einwohner. Grund ist der geplante Windpark nahe den Ortschaften Rossau und Schliecksdorf.

Er werde den zivilen Ungehorsam proben, notfalls die Grundsteuer kürzen oder einbehalten, da die Windräder den Wert seines Grundstückes mindern würden, zeigte sich Heinz Riemann wütend. „Wie ist der Rat an die Sache herangegangen? Wie wurdet ihr informiert und wie habt ihr euch dazu positioniert?“, wollte er wissen. Immerhin hätten die Windkrafträder, die nahe Rossau aufgestellt werden sollen, eine völlig neue Dimension. 200 Meter würden die zehn Anlagen in den Himmel ragen. Optisch seien diese „Spargelstangen“ nicht gerade attraktiv und auch die Risiken für die Gesundheit der Anwohner seien, ergänzte Astrid Schulz, nicht abschätzbar. Der Schallemissionspegel zum Beispiel nur rein hypothetisch errechenbar. „146 Dezibel ist so ein Windrad in Nabenhöhe laut.“

Gerade die Schliecksdorfer, ergänzte Riemann, würde es besonders hart treffen. Auf der einen Seite der Windpark und auf der anderen die Trasse der geplanten Autobahn 14. Wie sich der Geräuschpegel dadurch entwickelt, könne man nur abschätzen. „Fest steht, dass die Lebensqualität durch den Windpark stark eingeschränkt wird“, so Riemann.

Verwundert zeigte sich Drong über die Initiative einiger Bürger, seien die Einwohner Rossaus doch bislang nicht so eindeutig auf ihn zugekommen. „Die Informationen waren aber da.“ Obgleich er „die Sache als gegessen“ ansehe, versicherte Ortsbürgermeister Drong, dass der Rat seine Bedenken deutlich gemacht habe. „Allerdings nur im Rahmen einer Anhörung. Entscheiden konnten wir dabei nichts.“ Hier sehen die Ortschaftsräte die Einheitsgemeinde Osterburg in der Pflicht. Und die habe, erklärte Bürgermeister Nico Schulz, im Stadtrat die Gestattungsverträge mit den Investoren behandelt. Der Rat habe diesen mehrheitlich zugestimmt. „Allerdings haben wir bei diesem Thema auch wenig Handlungsspielraum“, fügte das Stadtoberhaupt hinzu. Die Ausweisungen für die Vorranggebiete nehme die Regionale Planungsgemeinschaft vor. Aber die Windkraftanlagen wirken sich positiv auf das Stadtsäckel aus. So fließen Einnahmen aus den Gestattungsverträgen in die Stadtkasse und auch die Gewerbesteuer bleibt zu einem Teil in der Kommune, ergänzte der Bürgermeister.

Für Heinz Riemann und Astrid Schulz ist der Windpark Rossau allerdings noch lange nicht in trockenen Tüchern. Bis zum 27. Januar könne man noch Widersprüche einreichen und das wollen sie auch tun. Auch eine Bürgerinitiative gegen den Park wollen sie ins Leben rufen – vorausgesetzt, es finden sich genügend Mitstreiter. Riemann selbst will zudem eine Petition an den Bundestag schreiben. Seiner Ansicht nach stehe bei der Energiewende zu sehr „das Geld“ im Mittelpunkt und gesellschaftliche Belange würden vernachlässigt. „Betroffene müssen angemessen beteiligt oder entschädigt werden.“

Das ihr Anliegen Erfolg habe, davon sind sie überzeugt. So werde von einigen Anlagen der Mindestabstand zu Wohnhäusern unterschritten und auch die einstige Betitelung des Parks als Windpark Krevese sei irreführend gewesen, da es einen solchen Park nahe Krevese ja schon seit mehreren Jahren gebe. Niemand komme da auf die Idee, dass neue Anlagen nahe Rossau gemeint seien, ergänzte Astrid Schulz.

Von Oliver Heymann

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