Einzigartige Zabel-Orgel nach umfangreichen Reparaturarbeiten bei Festgottesdienst erneut geweiht

St. Georg hat endlich Stimme wieder

Intonateur André Gude, Freundeskreisvorsitzender Gerd Lamberts, Orgelbauer Jan Werner und Matthias Schlase (v.l.) vor der restaurierten Zabel-Orgel.

Arneburg. Es war am vierten Advent 1821 als der Orgelbaumeister August Zabel in der St. -Georgs-Kirche sein Werk vollbracht hatte und die „Königin der Instrumente“ im Arneburger Gotteshaus geweiht wurde.

Nun nach genau 190 Jahren konnte die Kirchgemeinde ihr wertvollstes Instrument wieder in den vollen Betrieb nehmen. Lange waren Wartungs- und Pflegearbeiten nicht vorgenommen worden, was die Orgel in einen desolaten Zustand brachte. „Als ich 2003 zum ersten Mal auf dem Instrument zum Einführungsgottesdienst meiner Frau spielte, blieb mir danach die Luft weg“, beschrieb Matthias Schlase, wie anstrengend es war, der Zabel-Orgel noch ein paar Töne zu entlocken. Dass dies überhaupt noch gelang, war den Vorgängern Schlases zu verdanken. „Es ist der Tod einer Orgel, wenn sie nicht gespielt wird“, erzählte Ex-Pfarrer Rudolf Haas. Bis zu seinem Ruhestand wirkte er 25 Jahre in Arneburg und weiß, wie sich damals seine Frau Gisela an dem Instrument gequält hat. Um diesen Qualen ein Ende zu setzen, entstand vor allem auch bei Matthias Schlase die Idee, die Orgel restaurieren zu lassen. Kurzer Hand wurde 2007 ein Freundeskreis als Verein gegründet, der aktiv Spenden sammelte. Kaum eine Veranstaltung verging in der Elbestadt ohne die Präsenz der Orgelförderer um Vorsitzenden Gerd Lamberts. „Es ist genau der richtige Augenblick Danke zu sagen“, so Martina Stockmann. Die stellvertretende Bürgermeisterin weiß das Engagement des Vereins, aber auch der Spender zu schätzen und erinnert sich nur zu gut, wie jeder Arneburger mit dem eigens kreierten Orgel-Button an der Jacke seine Unterstützung signalisierte. Zwar war es nach der Vereinsgründung die Hoffnung, die Restaurierung pünktlich noch vor dem großen Jubiläum fertig gestellt zu haben, doch dass das auch wirklich gelingen wird, glaubte damals noch niemand so richtig. Umso mehr freuten sich die Freundeskreismitglieder, am Sonnabend zur Orgelweihe einladen zu können. Wie bei der Originalweihe vor 190 Jahren war auch nun wieder ein „Orgelschmaus“ vorbereitet. Mit Spanferkel, Kuchen und Kaffee bedankte sich der Freundeskreis bei allen Spendern und Unterstützern, bevor die 1300 Orgelpfeifen in dem öffentlichen Gottesdienst zur Orgelweihe ihre Klangfarbe unter Beweis stellen durften. Mitte September hatten Jan Werner und seine Kollegen von der Orgelbaufirma „Hermann Eule“ aus Bautzen mit der technischen Montage begonnen. Nachdem jedes Teil am rechten Platze saß, standen auch noch vier Wochen für das Stimmen des Instrumentes auf dem Plan. Intonateur André Gude gab dabei jeder Pfeife ihren richtigen Ton und die richtige Klangfarbe mit der passenden Lautstärke. Kurz nach 17 Uhr war es dann so weit und der große Moment war gekommen. Gespannt warteten mehr als 200 Besucher auf das Ertönen des ersten Orgelspiels. Mit „Livre d’Orgue“ von Louis-Nicolas Clèrambault eröffnete Matthias Schlase den besonderen Gottesdienst. Mit weiteren Werken zeigte später auch noch Christoph Lehmann, Orgelsachverständiger des Kirchenkreises, welche Energie in der Arneburger Orgel nun steckt.

Damit auch in Zukunft das gute Stück nicht wieder unter Verfall leiden muss, hat der Freundeskreis sich mit der Orgelbaufirma über einen Wartungsvertrag verständigt. Dieser sollte eigentlich von Anne-Christin Eule übergeben werden, doch leider konnte die Geschäftsführerin durch Probleme im Flugzeugverkehr nicht zur Weihe anwesend sein. Doch stellvertretend sicherte Orgelbauer Jan Werner die Zusammenarbeit zu. Allein schon, weil er die vorzügliche Gastfreundschaft der Familien Schlase, Lamberts und Vinzelberg schon zu schätzen gelernt hat.

Von Benjamin Kobelt

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