Gebietsreform: Osterburgs Bürgermeister hält Seehausen auf Distanz

Gemeindliche Sympathien alles andere als grenzenlos

+
Der Fasching macht’s möglich: Karnevalist Frank Wiese nimmt sich Seehausens Gemeindechef Robert Reck (l.) und dessen Osterburger Kollegen Nico Schulz gleichberechtigt an die Seite. Die Polit-Oberhäupter gaben an diesem Tag den A14-Bauarbeiter.

Osterburg. Nico Schulz, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Osterburg, erteilt veränderten Gemeindegrenzen eine Absage. „Wir sind immer noch dabei, die Gebietsreform von 2009 zu bewältigen und ordentlich zusammenzuwachsen.

Jetzt schon über einen weiteren Schritt und noch größere Einheiten nachzudenken, halte ich für verfrüht. “ Bereits jetzt müssten die einzelnen Kommunen bei schrumpfender Mitarbeiterzahl immer mehr Aufgaben übernehmen und bekämen dafür immer weniger finanzielle Mittel. „Möglich halte ich allenfalls eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden, zum Beispiel in der Bauverwaltung“, so der Christdemokrat im Gespräch mit der AZ.

Ob Osterburg und Seehausen in 20 Jahren oder früher eine Gemeinde bilden könnten, wie es der Seehäuser Verbandsbürgermeister Robert Reck (parteilos) kürzlich in einem AZ-Interview nicht ausschließen wollte, darüber möchte Schulz nicht großartig spekulieren. Nur so viel: Wenn überhaupt, müsste der Mittelpunkt einer solchen Gemeinschaft klar definiert sein. Osterburg ist ein Grundzentrum mit Teilfunktion Mittelzentrum sowie frühere Kreisstadt. Schulz zählt auf: „Wir haben das Gymnasium, eine Förderschule, die Abfallgesellschaft ALS des Landkreises, das Kreismuseum, die Kreismusikschule, die Kreisbibliothek, die Kreisvolkshochschule, eine Außenstelle des Jobcenters und noch einiges andere mehr. Osterburg ist der zentrale Ort.“

Bei allen Überlegungen bleibe sowieso abzuwarten, ob die Bevölkerung tatsächlich in dem Maße schrumpft wie befürchtet. „Für Osterburg sehe ich das nicht mehr ganz so dramatisch und düster.“ Auch deshalb sollte sich das Land fünf bis zehn Jahre Zeit lassen und dann erst neu und konkreter über mögliche neue Strukturen nachdenken. In der Einheitsgemeinde Osterburg leben aktuell 10 398 Menschen, ein halbes Jahr zuvor waren es 60 mehr. Nach der politischen Wende haben Tausende Bürger ihre alte Heimat verlassen und zogen vornehmlich in Richtung Westen. Vor allem die Kernstadt hatte einen erheblichen Aderlass zu verkraften.

Hinsichtlich eines möglichen Großkreises Altmark warnt Schulz vor falschen Erwartungen. „Aus zwei Landkreisen einen zu machen, bringt wegen der Größe wahrscheinlich mehr Nachteile als Vorteile. Man spart einen Landrat und eine Verwaltung ein, sicherlich. Zudem müsste es in dem Landkreis, der die Hauptverwaltung verlieren soll, zumindest einen Verwaltungsstandort geben.“ Und: Viele Kreistagsmitglieder hätten längere Wege zu den Sitzungen zurückzulegen, egal, ob die Kreisstadt nun Stendal hieße oder Salzwedel, irgendjemand verliere doch immer. „Überhaupt dürfte die politische Kultur leiden, alles wird größer, weiter und unübersichtlicher.“

Seehausens Verbandsbürgermeister Reck gehört erklärtermaßen zu den Befürwortern eines einzigen großen Altmarkkreises. Immense Fläche und lange Wege dürften keine wirklichen Gegenargumente sein, sagte der Verwaltungschef in einem AZ-Interview. Aus zwei Landkreisen einen zu machen, bedeute nicht, dass es in einem Kreis überhaupt keine Verwaltungspunkte mehr geben würde. Zudem lasse sich heutzutage sehr viel mit moderner Informationstechnik regeln. „Wir nutzen davon derzeit doch nur einen Bruchteil.“

Von Marco Hertzfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare