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Geistlicher Beistand mitten im Trubel

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Pfarrer Conrad Herold verteilte Fahrchips für den Autoscooter. Zuvor hatte er gemeinsam mit Osterburgs Pastorin Claudia Kuhn einen ungewöhnlichen Gottesdienst geleitet. Foto: Ziems

Osterburg. „Als ich das erste Mal eine Taufe im Zirkus gemacht habe, wunderte ich mich noch über den häufigen Applaus“, erzählte Pfarrer Conrad Herold den Osterburger Christen, die sich ebenfalls etwas wunderten.

Denn der Erfurter predigte am Sonntag nicht in einer Kirche, sondern unter dem Dach des Autoscooters. Beim Stadt- und Spargelfest wurde ein Gottesdienst der etwas anderen Art gefeiert. So nahmen die Besucher nicht nur auf Bänken Platz, sondern auch in den Wagen des Autoscooters, während über ihn bunte Lichter unaufhörlich blinkten.

Ein Leben in Bewegung und auf Reisen – das prägt Schausteller. Und so muss ein Schaustellerpfarrer auch spontan sein. „Ich besuche die Leute und richte mich nach ihnen“, beschreibt der Pfarrer seinen Arbeitsalltag im Gespräch mit der AZ. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass geistlicher Beistand auch schon nachts, wenn die Fahrgeschäfte geschlossen haben, gewünscht ist. Üblich ist zudem, dass im Dezember die Gottesdienst in der Woche und nicht am Sonntag gefeiert werden. „Während der Weihnachtsmärkte ist am Wochenende einfach viel zu viel los. Sonntags haben die Schausteller dann schlichtweg keine Zeit für den Gottesdienst“, beschreibt Conrad Herold einen Lebenswandel, der von stetigen Ortswechseln geprägt ist.

Dies gilt auch für den Pfarrer, der in Erfurt wohnt, aber viele Tage unterwegs ist. Er besucht große Märkte und Feste in Sachsen-Anhalt sowie Thüringen, spricht viel mit Schaustellern, bietet Gottesdienste und führt junge Menschen auf den Weg zur Konfirmation.

Dabei ist ihm bewusst, dass Spontanität unverzichtbar ist. So ging zum Beispiel in Osterburg am Sonntag die Lautsprecheranlage nicht. Der Pfarrer sprach kurzerhand ohne Beschallungsanlage und machte das Thema Freundschaft zum Thema. Gegenseitige Hilfe sei im Schaustellergewerbe unverzichtbar. Unterstützung bekam auch der Pfarrer. Und zwar von Osterburgs Pastorin Claudia Kuhn. Sie hatte solch einen Gottesdienst mit Autoscooter noch nie mitgemacht und meinte, dass die Atmosphäre eine besondere sei.

Zum Abschluss verteilte sie Brot, das altmärkische Konfirmanden gebacken hatten. Auch Conrad Herold brachte kleine Geschenke mit. Und zwar Fahrchips. Diese konnten die Osterburger Gottesdienstbesucher dann für die eine oder andere Runde auf dem Autoscooter nutzten.

Von Christian Ziems

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