Sozialpädagogin Katharina Torge sieht in der Aggression größtes Problem

Der ganz normale Wahnsinn: Wenn Schüler schief denken

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Wie das Leben so spielt: Katharina Torge (28) ist bei Arneburg aufgewachsen, in Stendal zur Schule gegangen und hat im hessischen Fulda studiert. Nun ist sie wieder zurück in der Altmark. Träger ihrer Stelle ist das Paritätische Sozialwerk. Der Name des Programms: „Schulerfolg sichern.“

Osterburg. Halbstarke prahlen mit ihrer Sauftour vom Wochenende. Andere Schüler müssen Abstand halten und geben regelmäßig Rauchzeichen, weil Nikotin auf dem Gelände tabu ist.

Das sind weiche und harte Drogen sowieso, und dennoch dürften einige junge Leute so ihre Erfahrungen machen, in der Freizeit, wohlgemerkt. Wer den Unterricht schwänzt, hat das Schulamt am Hals. Ohne Frage sind Lehrer die natürlichen Feinde und grundsätzlich doof, für eine lautstarke Gruppe jedenfalls. Und ja, natürlich droht so manches Herz an Liebeskummer zu zerbrechen. „Der ganz normale Wahnsinn also. Ich liebe meinen Job und will nichts anderes mehr machen“, sagt Katharina Torge der AZ derart überzeugend, dass es schon ein wenig unheimlich ist. Die zierliche 28-Jährige aus Stendal ist Schulsozialpädagogin und kümmert sich seit wenigen Wochen um die circa 250 Sekundarschüler in Osterburg.

„Wir sind eine stinknormale Schule mit all den Sorgen, die es auch anderswo gibt, mal weniger, mal mehr.“ Ganz oben auf ihrer Liste steht die Gewalt. Immer mehr Kinder und Jugendliche hätten den Umgang miteinander noch nicht richtig gelernt oder wieder verlernt. Torge weiß von Hänseleien, psychischer Gewalt also, von kleineren Schubsereien und größeren Vorfällen, die in handfeste Auseinandersetzungen ausarten können. „Nennen wir sie einmal Problemschüler. Diese Gruppe macht ungefähr zehn Prozent aller Lernenden aus.“ Einige wenige von ihnen, keine 14 Jahre alt, sind zudem bereits straffällig geworden. Die Sozialpädagogin kennt ihre Pappenheimer und hat sie ganz besonders im Auge. Polizei und Antiaggressionstrainer sollen bei Projekttagen im Juli gerade diesen Sorgenkindern bewusst machen, dass niemand für ewig strafunmündig bleibt und eine Gewaltkarriere alles andere als cool ist. Eine Drogenprävention mit dem Gesundheitsamt des Landkreises ist für Juni geplant.

Die studierte Sozialpädagogin mit Schwerpunkt psychosoziale Beratung und Therapie kümmert sich ums Seelenwohl der Schüler, ohne deren Gehirn zu vergessen. „Der Leistungsdruck ist heutzutage riesengroß, nicht jeder junge Mensch kann ihm standhalten. In jeder Klasse sitzen etwa fünf Schüler mit irgendwelchen Verhaltensauffälligkeiten.“ Was Jugendliche und sie bereden, bleibt geheim. Wenn aber eine gewisse Gefahr für das Wohl des Schülers besteht, schaltet Torge weitere Fachleute und die Eltern ein. „Doch nun lassen Sie uns über etwas anders reden. Schulsozialarbeit heißt auch Ferienfreizeiten – und natürlich auch feiern.“ Die Zehntklässler der Osterburger Sekundarschule haben heute ihr Abschlussfest.

Von Marco Hertzfeld

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