Friedlicher Pirat rebelliert mit Politik

Der 30-Jährige liebt die Natur und setzt sich neben seiner Piratentätigkeit auch für die Jugendlichen seiner Heimat ein. Er will ihnen die Perspektivlosigkeit nehmen.

Goldbeck - Von Ivonne Bolle. Christian Glomm aus Goldbeck ist einer von 12 000 Piraten. Um an sein Ziel zu kommen, benötigt der Altmärker jedoch weder Schiff noch eine bis zu den Zähnen bewaffnete Mannschaft. Seine Waffen sind politische Debatten. Seit kurzem ist er Vorsitzender des Landesverbandes.

„Wir hatten bei der jüngsten Wahl einen unglaublichen Erfolg“, sagt Christian Glomm und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Wir wollen daran anknüpfen und den Landtag entern.“ Christian Glomm sieht nicht aus wie ein Pirat, aber er versteckt sich auch nicht hinter politischer Korrektheit mit Anzug, Krawatte und Aktenkoffer. Mit Jeans und Turnschuhen, dunkler Kurzhaarfrisur wirkt er ziemlich normal – wie halt der Nachbar von nebenan.

Der 30-jährige Forst- und Landschaftsgestalter ist in Leipzig geboren, in Berlin hat er die Kindheit verbracht und seine Jugendzeit im altmärkischen Parleib bei Gardelegen verlebt. Seit einem Jahr wohnt er nun in Goldbeck bei Osterburg. Christian Glomm gehört mit zu den ersten Piraten des Landes – seit der Gründung des Landesverbandes ist er dabei. „Ich habe mich aber auch schon vorher für die Piratenpartei interessiert. Mit ihrem Programm kann ich mich identifizieren.“ So erging es wohl auch vielen Wählern – landesweit. Denn die Piraten haben in keinem anderen Bundesland so viele Stimmen gewonnen, wie in Sachsen-Anhalt. Vor allem Jugendliche haben beim Urnengang bei den Piraten ihre Kreuze gesetzt. Die Partei organisiert sich hauptsächlich übers Internet: http://www.piraten-lsa.de.

Außerdem bieten sie noch regionale Stammtische an: in Salzwedel und Stendal. Mittlerweile sind 180 Piraten in der Region aktiv. Die Piraten treffen mit ihrem Programm und Kodex den Nerv der Zeit und damit wohl auch bei ihren Anhängern ins Schwarze. „Wir setzen uns aktiv für den Bürger- und damit besonders für den Datenschutz ein“, sagt Christian Glomm. „Wir sehen keinen Vorteil darin, dass Schüler Standardthemen pauken. Vieles brauchen sie davon später nicht mehr.“

Außerdem beschäftigen sie sich auch mit dem Thema Raubkopien: „Wir wollen nicht, dass das Urheberrecht aufgehoben, sondern den jetzigen Gegebenheiten angepasst wird. Das betrifft zum Beispiel auch Musikdownloads.“ Da sich die Partei Transparenz auf die Fahnen schreibt, sind auch die Mitgliederanzahl und der Kontostand öffentlich auf der Internetseite einsehbar. Weiterhin umfasst ihr Grundsatzprogramm die Sicherung des Fernmeldegeheimnisses, eine Reduzierung der Patentierbarkeit, insbesondere in den Bereichen Software, Gentechnik und Geschäftsideen, sowie freien Zugang zu Ergebnissen der öffentlich geförderten Forschung und Entwicklung.

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