Bildungsminister Tullner (CDU) bastelt an neuem Konzept und will Lernorte wie Osterburg stärken

Förderschule aus der Schmollecke

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Soll eine Zukunft haben: Die noch mausgraue Förderschule in Osterburg.

Osterburg. Das Land tritt bei der Inklusion auf die Bremse. Es will die klassische Förderschule stärken und aus der Schmollecke holen.

Das dürfte auch jene Eltern und Lehrer an Schulen in Osterburg und anderen Lernorten des Landkreises freuen, die bei Weitem nicht jedes Kind mit Handicap auf einer Regelschule gut aufgehoben sehen. „Das Konzept wird ein klares Bekenntnis zu den Förderschulen sein. Wir müssen Inklusion vor allem vom Bildungserfolg des einzelnen Kindes her denken. Weder Schulen noch Schülerinnen und Schüler dürfen überfordert werden“, sagt Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) der AZ. Zu dem neuen Konzept laufen momentan letzte Abstimmungen. Das Papier soll zeitnah in den Landtag eingebracht werden.

In östlicher Altmark und Elbe-Havel-Winkel sind in den vergangenen 15 Jahren fünf Schulen geschlossen worden. Die sechs übrigen Einrichtungen stellt der Landkreis zurzeit nicht infrage. „Entsprechend existieren auch keine Schulschließungsgedanken“, beteuert Sprecherin Angela Vogel. Auch nicht für die Förderschule „Anne Frank“. Im Entwicklungsplan aller landkreislichen Schulen bis 2018/19 hat die Osterburger Einrichtung ihren garantierten Platz. Was später passiert, bleibt abzuwarten. Bereits einmal gab es eine Diskussion, die Schule zumindest irgendwann zur Außenstelle einer anderen Einrichtung zu machen. Vogel bekräftigt: „Sie wird seitens des Landkreises nicht zur Disposition gestellt.“ Die Signale aus Magdeburg dürften diese Position stärken.

Das Konzept solle vor allem die Sicherung des Elternwillens bei der Wahl der Schulform, einen wohnortnahen Unterricht und bessere Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe in den Blick nehmen. „Die Weiterentwicklung der Inklusion muss sehr behutsam angegangen werden. Es ist unser Ziel, für alle Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf Angebote vorzuhalten, die dem Wunsch der Eltern und den individuellen Voraussetzungen der Schüler entsprechen, bis hin zu Möglichkeiten, einen anerkannten Abschluss zu erwerben“, erläutert der Minister. Es gehe parallel dazu um einen „effektiven Personaleinsatz“ und die „Berücksichtigung regionaler Belange“ sowie letztlich um gesicherte Schulstandorte. „Den Schulträgern sollen Modelle an die Hand gegeben werden, aus denen sie unter Berücksichtigung ihrer regionalen Besonderheiten wählen können.“ Was das konkret heißt, lässt der Minister noch offen.

Vor knapp acht Jahren ist die Lernbehindertenschule von der Bahnhofstraße in die alte Berufsschule an der Düsedauer Straße gezogen. Mehr als eine Million Euro sind damals investiert worden. Der Innenausbau sei komplett fertig. 2016 wurde der Heizkessel ausgetauscht. Erneuert werden müssten noch: die Fassade, das Dach und in Teilen die Sporthalle. „Da der Schulbetrieb nicht beeinträchtigt ist, soll eine Sanierung erst erfolgen, wenn Haushaltsmittel in den nächsten Jahren zur Verfügung stehen.“ Eine grobe Schätzung der Kosten beläuft sich laut Landratsamtssprecherin auf 1,5 Millionen Euro.

Der Landkreis sieht in Fördereinrichtungen einen festen Bestandteil der Schullandschaft. In den Lernjahren 2009/10 bis 2013/14 besuchten im Schnitt 115 Kinder der Frank-Schule. Seit 2015/16 habe sich die Zahl stabilisiert und liege zwischen 70 und 80. „Von diesem Wert wird auch für die Zukunft ausgegangen.“ Die Zahl der Förderschulen habe sich verändert, so wie sich auch die Zahl der Schüler geändert habe. „Anteilig mit dem Rückgang der Geburten und der einzuschulenden Kinder ist die Anzahl der Kinder zurückgegangen, die einen Förderbedarf haben“, erläutert Vogel. Gleichzeitig seien auch die Zahlen zu beachten, die vom Land vorgegeben werden, um eine Schule aufrechterhalten zu können.

Eine Handvoll Lernbehindertenschulen ist seit 2003 dichtgemacht worden, in Stendal, Seehausen, Meßdorf, Tangerhütte und Klietz. Neben der Einrichtung in Osterburg existiert noch die Förderschule „Pestalozzi“ in der Kreisstadt Stendal. Unverändert blieb laut Vogel die Zahl der Einrichtungen mit den Schwerpunkten „geistige Entwicklung“ und „sozial-emotionale Entwicklung“. Der Landkreis ist in den Bereichen für insgesamt vier Förderschulen zuständig.

Von Marco Hertzfeld

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