Fledermausschützerin Bäthge untersucht Windräder bei Krevese

Fledermäuse „im Flug erschlagen und zerfetzt“

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Windräder können für Fledermäuse trotz ihres natürlichen Echoortungssystems ein tödliches Hindernis sein.

Osterburg. „Windräder können Fledermäusen den Tod bringen. “ Brigitte Bäthge nimmt im Auftrag eines Gutachters den Park bei Krevese wegen einer möglichen Erweiterung unter die Lupe. Immer wieder einmal findet die Osterburgerin dabei tote Exemplare.

„Wahrscheinlich wurden die Tiere im Flug von den Rotorblättern einfach erschlagen und zerfetzt oder ihre Lungen sind durch den zwischen den Blättern herrschenden Unterdruck regelrecht zerplatzt. “ Ins Detail gehen möchte die 63-Jährige nicht. Ihre Arbeit ist noch nicht abgeschlossen. Allgemeinen Erhebungen zufolge kommen in einem Jahr im Durchschnitt mindestens zehn tote Fledermäuse auf ein Windrad. Wie hoch die Todesrate bei den Anlagen in Krevese ist, werde sich erst zeigen. Überhaupt sei bei diesem sensiblen Thema deutschlandweit noch vieles recht umstritten und nur unzureichend erforscht.

Die Biesestädterin ist Mitglied des Arbeitskreises Fledermäuse Sachsen-Anhalt. Immer wieder landen verletzte Exemplare bei ihr, die sie versucht, gesund zu pflegen. Ein Mitarbeiter des Kreisumweltamtes brachte ihr erst kürzlich aus Stendal eine Breitflügelfledermaus. „Das Jungtier ist unterernährt gewesen. Offensichtlich war es in einen Keller geflogen und dort eingeschlossen worden.“ Buchstäblich in letzter Sekunde ist das Tier entdeckt worden. Bäthge päppelte es mit Mehlwürmern auf und entließ es wieder in die Freiheit. Helfen konnte sie auch einem Braunen Langohr, das in einer Fliegenklebefalle hängen geblieben war. Viel Geduld und ein Reinigungsmittel brachten den gewünschten Erfolg. Doch nicht immer hat ihr Einsatz ein Happy End. Wenn etwa ein Flügel zu stark lädiert ist, gibt es letztendlich keine Rettung.

„Wer einmal eine Fledermaus in der Hand gehabt hat, der kann nicht mehr von diesen Tieren lassen.“ Die Ostaltmärkerin hat vor gut 15 Jahren innerhalb einer AB-Maßnahme Fledermäuse im Altkreis Osterburg erfasst und markiert. Eberhard Leuthold aus Späningen hatte damals den Hut auf, sie sei sozusagen seine rechte Hand gewesen. 14 Arten konnten nachgewiesen werden, darunter der Große Abendsegler und die Zwergfledermaus. „Im Giebel des Osterburger Gymnasiums leben Breitflügelfledermäuse, um das Biesewehr Wasserfledermäuse“, sprudelt es aus der gelernten Veterinär-Ingenieurin heraus. Sie ist Feuer und Flamme für ihre Aufgabe, die sie schon seit einigen Jahren rein ehrenamtlich erfüllt.

Dass Fledermäuse noch immer gegen ein Negativimage und Falschinformationen anfliegen müssen, ärgert Bäthge, die auch Mitglied im Naturschutzbund ist. „Die Tiere setzen sich nicht gezielt in die Haare des Menschen und wollen ihm auch nichts Böses. Auch das mit dem Blutsaugen ist eine Mär.“ Weltweit gebe es an die 900 Arten, drei davon in Amerika gehen anderen Tieren ans Blut. Fledermäuse in der Altmark seien hauptsächlich Insektenfresser. „Es sind nützliche Tiere, die sich auch von Forstschädlingen ernähren.“ Über manche Dinge kann die Naturschützerin nur schmunzeln. „So denken doch einige Leute tatsächlich, Fledermäuse sind Mäuse oder gar Vögel, die Eier legen.“ Die Säugetiertruppe sei eines allerdings bestimmt, ein wichtiger Indikator für eine intakte Umwelt. Zu einer genauen Einschätzung sieht sich die Osterburgerin aber nicht in der Lage. Für Zählungen bleibt ihr neben Familie, Haus und landwirtschaftliche Arbeit schlichtweg zu wenig Zeit. So ein Projekt sollte auch höher angebunden und ordentlich finanziert sein.

Bäthge hat ihre Leidenschaft für den Naturschutz weitergegeben. Tochter Anja ist Mitglied im Vorstand des Naju, der Naturschutzjugend im Nabu. Die junge Frau organisiert ein Erlebniswochenende für Kinder und Eltern. Vom 21. bis 23. August stehen in Osterburg Fledermäuse im Mittelpunkt. Geplant sind Wanderungen, Spiele und Basteleien. Wer weitere Informationen wünscht und sich anmelden will, erreicht die Naju-Zentrale in Magdeburg unter Tel. (0391) 5440896.

Von Marco Hertzfeld

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