Bürgerinitiative arbeitet an Schlachtplan gegen den Ausbau der Schweinemastanlage Wasmerslage

Fleischfarbener Protest formiert sich

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Nistkästen für Wischevögel sind ihm lieber als Schweinemastplätze. Helmut Sasse, der mit seiner Frau ein kleines Unternehmen betreibt, engagiert sich in der Freizeit für den Naturschutz.

Wasmerslage. „Wir verlieren mehr als wir gewinnen, andere verdienen“, ist Helmut Sasse fest überzeugt. Die mit Jahresbeginn gegründete Bürgerinitiative (BI) gegen die geplante Erweiterung der Schweinemastanlage in Wasmerslage will an Schlagkraft zulegen.

„Wir werden die Leute wachrütteln und ihnen die Augen öffnen. In der Wische, einem einzigartigen Landstrich, soll eine regelrechte Tierstadt entstehen “, sagt der Rohrbecker empört. Das bedeute automatisch auch mehr Gestank, mehr Dreck, mehr Lärm und Verkehr auf den Straßen . . . Und wen das alles nicht groß jucke, sollte sich eines bewusst sein: „Die Entwicklung kann sich durchaus negativ auf den Wert jedes Grundstücks und Hauses in der Gegend auswirken. “.

Sasses Ehefrau Kerstin gehört ebenfalls zu den BI-Mitgliedern der ersten Stunde. Sie will die Folgen des möglichen Ausbaus von bislang etwa 10 000 Tierplätzen auf mehr als 46 000 nicht allein pragmatisch sehen. „Ich esse wenig Fleisch und schon gar keines aus Massentierhaltung. Und ja, mich berührt das Schicksal der Tiere, es geht mir ans Herz.“ Dass in einer ländlich geprägten Region wie der Altmark Schweine gehalten und gezüchtet werden, sei das Normalste der Welt und alles andere als zu verurteilen. „Es geht um die Dimension und darum, wie man es macht. Warum will der Mensch immer mehr und mehr? Das sind Auswüchse. Zu allem Überfluss wird so ein Fleisch auch noch sonst wohin exportiert. Entschuldigung, aber das ist doch pervers“, macht die gelernte Gärtnerin im AZ-Gespräch ihrem Ärger Luft.

Die altmärkischen Kommunen wollten touristisch zulegen, den demografischen Wandel kreativ gestalten, die Menschen in ihrer Heimat halten. „Wir haben hier eine beachtliche Lebensqualität, die Dunkelheit, die Stille, die Natur, eine Landschaft, von der andere träumen, einen Schatz. Daraus lässt sich doch etwas Nachhaltiges machen, es muss nur wachsen und wie so häufig sind Ideen gefragt“, glaubt der BI-Sprecher. Eine Mega-Schweinemastanlage sei für die Region alles andere als ein Jobmotor.

Die Ostaltmärker suchen den Schulterschluss mit anderen Bürgerinitiativen. Für den 1. Februar, einen Mittwoch, ist eine erste größere Veranstaltung geplant. Wer am liebsten gleich einen Schlachtplan für die nächsten Wochen und Monate ausarbeiten möchte, sei genauso willkommen wie jener, der sich erst einmal über das Thema weiter informieren möchte. Los geht es um 19 Uhr im „Meseberger Krug“. Die ersten BI-Mitglieder sprühen vor Tatendurst und arbeiten bereits an einem Logo. Die zentrale Botschaft: „Stoppt die Schweinerei!“ Wer schon vorher und darüber hinaus den Kontakt zur BI sucht, nutze Tel. (039390) 82142 oder zen.fussball@gmx.de. Irgendwann könnten „fleischfarbene Großkreuze“ vor Häusern und an anderen Punkten aufgestellt werden, Protestformen gegen Atom- oder auch Kohlekraft ähnlich.

Die MESA Agrar GmbH will die Anlage in Wasmerslage, das zur Osterburger Ortschaft Königsmark gehört, erheblich ausbauen. Der nötige Antrag liegt dem Landesverwaltungsamt in Halle vor. Mitunter fehlten Unterlagen und Fristen wurden verlängert. Erste Bauarbeiten ließ die Behörde kurzerhand stoppen. Wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, konnte gestern in Halle noch niemand sagen.

Von Marco Hertzfeld

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