Aus der Spur: Pkw-Edelmarken in Osterburg und dem Rest des Landkreises eher die Ausnahme

Ferrari nur ein einsames Phantom

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Ferrari, Rolls-Royce und Bentley sind auf den Straßen des Landkreises selten. Wer eine dieser Marken sehen möchte, muss auf durchreisende Fahrer hoffen oder Automessen besuchen. Porsche und Jaguar haben sich hingegen eine gewisse Position erfahren.

Osterburg. „Zugegeben, da schaut man schon einmal hin. “ Elisabeth Glöß hat ein Auge für das Schöne, erkennt das Besondere und weiß, was auf den Straßen im Landkreis Stendal selten und relativ teuer unterwegs ist.

Der Ferrari ist noch immer die absolute Ausnahme, ein einziger Wagen ist im Verkehrsamt registriert. Die Leiterin selbst kauft privat ihre fahrbaren Untersätze allerdings allein nach einem Kriterium, der Funktionalität. „Luxus hin oder her: Ein Auto ist für mich ein Gebrauchsgegenstand, kein Statussymbol. Wobei ich die Begeisterung auch verstehen kann, solche Wagen stechen schon heraus. “ Die Amtschefin lenkt in ihrem Alltag einen bereits ziemlich betagten 3er Golf Kombi Syncro – und das mit Allradantrieb. „So gesehen auch ein seltenes Modell“, meint die 59-Jährige und schmunzelt.

Wer einen Rolls-Royce oder Bentley auf den Straßen von Osterburg und anderen Orten sehen möchte, muss wie beim Ferrari schon Glück haben und sowieso mehr auf auswärtige, durchreisende Fahrer hoffen. Die Kfz-Zulassungsstelle kennt jeweils nur ein einheimisches Exemplar. Maserati, Lamborghini und McLaren tauchen im Register überhaupt nicht auf. Hummer, ein massiger US-Jeep und Traum so manchen Mannes, schafft es immerhin zweimal dort hinein. Dafür scheint der Jaguar in der Wildbahn weiter verbreitet. Glöß und ihre Kollegin Doreen Schulz haben 26 Wagen gezählt. Porsche liegt mit Abstand vorn. 42 Pkw glänzen in Ostaltmark und Elbe-Havel-Winkel. In bestimmten Kreisen soll ja angeblich schon gewitzelt werden: Porsche sei der neue VW, ein Wagen, den sich fast ein jeder leisten könne.

Glöß will das nicht kommentieren. Ihr Herz schlägt sowieso mehr für Traktoren und nicht für Pkw. Und so weiß sie auch von etlichen Zugmaschinen der Marke Porsche. Aus der Amtsleiterin, die in Gohre aufgewachsen ist und ihrer Scholle nach wie vor die Treue hält, sprudelt es regelrecht heraus: „Porsche-Traktoren sind zwischen 1953 und 1963 gebaut worden. Nicht direkt unter dem Kommando von Ferdinand Porsche. Doch haben Ingenieure von Porsche bei der Entwicklung geholfen. In der Bundesrepublik ist damals ganz bewusst und offensiv mit diesem Namen für Traktoren Werbung gemacht worden.“ Einige dieser Porsche-Vehikel gibt es auch im Landkreis Stendal. Wie viele genau, kann Glöß so auf die Schnelle nicht sagen. Es gibt einfach zu viele Typen.

Die Ostaltmärkerin hat daheim einen Güldner A 2 KS Spessart, 15 PS, und einen Deutz 4006, 35 PS, stehen. Ihr Mann und sie sind ausgesprochene Traktor-Fans und setzen ihre Lieblinge auch regelmäßig ein, nicht nur auf Acker. Auf den Straßen des Landkreises können ihnen derzeit theoretisch 93 060 Pkw begegnen. Der Fahrzeugbestand ist weiter angestiegen – obwohl die Bevölkerung spürbar schrumpft. Vor fünf Jahren waren noch 2198 Wagen weniger zugelassen. Eine wirkliche Erklärung dafür hat Glöß nicht. Sicherlich gebe es in den Familien einen gewissen Trend zum Drittwagen, weil gerade auch der Nachwuchs immer häufiger beruflich pendeln müsse. Und natürlich dürfte auch der Freizeitbereich eine Rolle spielen, der Spaßfaktor, ein Vehikel allein zur Freude, ohne gleich als Luxus zu gelten.

Der Trabant ist mehr als Luxus, er ist Kult und einfach nicht totzukriegen. Die DDR-Rennpappe ist sogar wieder vermehrt auf den Straßen unterwegs. 271 Trabis sind registriert und dürfen gefahren werden, immerhin zwei mehr als vor fünf Jahren. Recht wacker hält sich auch der Wartburg. 2009 waren 51 Wagen gemeldet, derzeit sind es 46. Nach der politischen Wende stiegen viele Menschen zunächst auf gebrauchte West-Wagen um. Die Ost-Marken verschwanden zunehmend von den Straßen, blieben bestenfalls als Zweitwagen. „Es kamen immer mehr neue Pkw dazu. Recht zügig nach gut drei Jahren unterschied sich das gewandelte Straßenbild nicht großartig von dem eines westdeutschen Kreises.“ Glöß leitet das Straßenverkehrsamt von Anfang an seit 1991. Vor einigen Monaten ist noch das Ordnungsamt dazugekommen. Die Gohrerin wird in diesem Jahr 60 Lenze alt und geht in den Ruhestand. Die Traktoren und anderes mehr warten. Freizeit wird dann kein Luxus mehr sein.

Von Marco Hertzfeld

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