Restaurant an der Ostsee geplant

Familie Schütze schließt Biesecafé: „Band scheint irgendwie zerrissen“

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Carola und Jörg Schütze packen die ersten Umzugskartons. Mitte Januar ist für sie im Biesecafé endgültig Schluss.

Osterburg – „Wir wollen und wir können nicht mehr.“ Jörg Schütze hat die ersten Umzugskartons bereits gepackt. Der 49-Jährige zieht die Reißleine und schließt das Biesecafé.

„Wir haben hier so viel Herzblut und Geld investiert, doch wir müssen an unsere Gesundheit denken“, sagt Ehefrau Carola. Die Familie fühlt sich ausgebootet und durch die Stadtverwaltung im wahrsten Sinne des Wortes ausgeschlossen.

„Wir sind traurig und wissen natürlich auch, dass viele Osterburger uns vermissen werden“, meint der gelernte Bautischler gegenüber der AZ. Am 15.  Januar ist endgültig Schluss. Mit einer der zwei Töchter und deren Mann geht es dann in Richtung Norden an die Ostsee. „Dort wollen wir unser neues Glück finden. “.

Die jüngste der zwei Sperrlinien, die für Diskussionen sorgen.

Der Streit um die Poller auf dem für den Familienbetrieb so wichtigen Zufahrtsweg konnte nicht beigelegt werden. Anwohner beschwerten sich über Fahrzeuge und sahen Gefahren, die Stadt setzte zusätzliche Sperren, die nur nach Absprache und zu bestimmten Zeiten fallen dürfen. Es ging hin und her, Schütze schaltete sogar einen Anwalt ein. „Wir haben irgendwie den richtigen Zeitpunkt verpasst, uns alle an einen Tisch zu setzen“, findet der gebürtige Stendaler selbstkritische Worte. Auch der Pächter des Biesebades gleich nebenan nutzt den Weg. „Wir für unseren Teil konnten immer weniger verlässlich planen, dabei sind wir mehr als andere auf Anlieferungen und einen offenen Weg angewiesen.“

Er sei mit Leib und Seele Gastronom. Seit fast zwei Jahrzehnten lebt Schütze in Osterburg und verdiente sich seine ersten Sporen im Cafè Amsterdam und bei Jens Hollenbach. „Er hat mich für diesen Beruf begeistert.“ Schütze arbeitete für ihn ab 2006 in der Gaststätte des Biesebades, die dann schnell Biesecafé hieß, irgendwann 2009 machte er sich selbstständig und übernahm das Zepter. Als die Gaststätte 2011 bis auf die Grundmauern niederbrannte, stand der Altmärker vor dem Aus und fand bei allem Unglück doch schnell den Rettungsanker. Das nahe frühere Anglerheim an der Biese schien wie für ihn gemacht, der Gastronom setzte für Kauf und Ausbau einen hohen fünfstelligen Betrag ein.

Das Biesecafé habe sich einen festen Platz im Veranstaltungskalender erarbeitet. „Die Sommerfeste mit Blasmusik aus Stendal, regelmäßige Auftritte lokaler Bandgrößen wie Past, Schwarzbrand sowie Groove’n’ Soul Company, die Eisbahn auf den Werderwiesen gleich zu Anfang“, zählt der Familienvater auf. Eine Saison lang engagierte sich Schütze im städtischen Biesebad, als die Kommune für 2013 einen alleinigen Pächter suchte, gab er ihr einen Korb, krankheitsbedingt. Er sieht in dieser Zeit den Knackpunkt. „Danach war vieles anders, das Band scheint irgendwie zerrissen. Wir konnten uns auch nicht mehr so richtig in Veranstaltungen in der Stadt einbringen.“ Zumindest empfinde er das so.

Über die Jahre beschäftigte der Altmärker ein gutes Dutzend Menschen, sie waren fest angestellt oder halfen in Stoßzeiten aus. Schütze baute zusätzlich einen Lieferservice auf, für den ein freier und unkomplizierter Weg schlichtweg notwendig sei. Die zusätzlichen Poller stehen seit dem 15. Juli 2019, die Familie hat alles dokumentiert. „Die Stadt hat eine noch dickere Akte“, erzählt der Gastronom und lächelt milde. Er wolle kein Öl ins Feuer gießen. Womöglich finde ja ein neuer Eigentümer den Draht zur Stadtverwaltung. Das Biesecafé steht zum Verkauf. Ein erster Interessent sei wegen der aktuellen Situation abgesprungen. „Dieses Objekt wird aber eine Zukunft haben“, ist der 49-Jährige nach wie vor überzeugt.

Die Familie zieht an die Ostsee. „Wir verlassen Osterburg schon ein wenig traurig, na klar, doch mit erhobenem Kopf“, sagt Ehefrau Carola, eine Kosmetikerin und Fußpflegerin. Die Familie mietet ein Restaurant auf Rügen. Neben dem bewährten altmärkischen Mittagstisch, Kaffee und Kuchen sollen dann natürlich auch für den Norden typische Fischgerichte angeboten werden. Beim Nikolausmarkt im Osterburger Ortsteil Krumke sind die Schützes noch einmal vertreten. Für das Weihnachtsessen im Biesecafé sind noch Plätze frei. Und dann gehen allmählich die Lichter aus. „Man geht ja nie so ganz und wir bleiben im Herzen Altmärker. Doch wir freuen uns nun auf das Neue. Und ja, wir verwirklichen uns mit dem Restaurant dort oben schon irgendwie auch einen Traum“, sagt sie.

VON MARCO HERTZFELD 

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