Bürgermeisterin sieht in Schmuddel-Objekt durchaus Potenzial

Früherer Konsum in Meseberg ein Ladenhüter

Der frühere Konsum in Meseberg steht leer und ist von den Jahren gezeichnet.
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Der vordere Teil versprüht in Meseberg eher mausgrauen DDR-Charme. Der Teil daneben macht schon mehr her, Backstein und Fachwerk könnten so manchem gefallen.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Der Schandfleck mitten im Ort soll verschwinden. Den früheren Konsum in Meseberg bei Osterburg gibt die Ortsbürgermeisterin nicht verloren. Wenn dort schon keine Waren mehr über den Ladentisch gehen, dann sollen dort doch zumindest wieder Menschen wohnen. Der Eigentümer lebe im Großbritannien.

Meseberg – Der frühere Konsum in Meseberg ist ein Ladenhüter, für den Anblick zahlen die Einwohner jeden Tag aufs Neue. Auf den Monat genau vor sieben Jahren hatte Helga Beckmann noch die Nase gerümpft und sich geschüttelt, so sehr belasteten sie allein schon die Müllberge auf dem Gelände. „So schlimm ist es nicht mehr. Der Verwalter hat versprochen, alles regelmäßig kontrollieren und reinigen zu lassen.“ Müll scheint weiterhin vorhanden, wenngleich nicht mehr in den Mengen. Seit gut einem Jahrzehnt dürfte das Objekt nun schon leer stehen. „Es bleibt einfach unser Sorgenkind“, stöhnt die Ortsbürgermeisterin im Gespräch mit der AZ. Der Komplex befindet sich mitten an der Hauptstraße der Osterburger Ortschaft, seitlich gegenüber liegt der Saal des Meseberger Kruges und um die Ecke geht es in einigen wenigen Metern zur evangelischen Kirche.

Eigentümer in Großbritannien, Verwalter in Berlin

Der Eigentümer sitze in Großbritannien, der Verwalter in Berlin. Mit Zweitgenanntem habe sie schon persönlich sprechen können und ihm die eine oder andere E-Mai gesendet. „Es soll durchaus schon einen Interessenten gegeben haben, doch es hängt am Geld, am Preis für Grundstück und Gebäude“, vermutet die Ortschefin. Das eigentlich ganz schöne und markante Gebäude sei keineswegs so marode, dass es abgerissen werden müsste. „Daraus ließe sich tatsächlich etwas Schönes machen, das auch das Dorfbild wieder bereichern könnte. Ein Experte für Sanierung und Bauen bin ich aber natürlich nicht.“ Dass dort neues Leben einzieht, Menschen wohnen, vielleicht sogar eine junge Familie, dies kann sich Beckmann gut vorstellen. „Es würde uns im Ort wieder ein Stück voranbringen.“

Mögliches Zuhause für junge Familie

Meseberg liegt recht idyllisch und nur einen Katzensprung von der Kernstadt Osterburg entfernt. Einiges wurde in den vergangenen Jahrzehnten erreicht, so manche Straße erneuert, so mancher Weg saniert. Leerstand gibt es ansonsten so gut wie nicht. Die Ortschaft will seit geraumer Zeit touristisch zulegen und denkt dabei nicht zuletzt an Menschen, die an Wochenenden und im Urlaub mit dem Fahrrad unterwegs sind. Ein Zugpferd dabei könnte die historische Bockwindmühle am Ortsrand sein. Der Windmühlen- und Heimatverein hat bereits einiges auf die Beine gestellt, Einheimische und Gäste begeistert. Den größeren Spielplatz am Dorfgemeinschaftshaus nutzen nicht allein Kinder aus Meseberg. „Die Familien kommen auch aus den umliegenden Dörfern“, weiß Beckmann und freut sich.

Dass der verlassene Konsum im Herzen der Ortschaft da nur stört und ärgert, sehe nicht allein sie so. Das Thema komme auch regelmäßig im Ortschaftsrat auf, berichtet Beckmann. Bis kurz nach der politischen Wende konnten die Einwohner in dem Komplex die Waren des täglichen Bedarfs einkaufen. Die Zahlstelle einer Bank soll sich ebenfalls dort befunden haben. Irgendwann müssen sich Verkauf und Dienstleistung nicht mehr gelohnt haben. Mietbewohner zogen ein und irgendwann wieder aus. Das Gebäude stand leer und entwickelte sich mehr und mehr zum Schandfleck. Vergammelte Möbel, alte Kühlgeräte und jede Menge Haushaltsmüll ärgerten die Ortsbürgermeisterin. Wer was hinterlassen oder auch dazugepackt hatte, war letzten Endes nicht entscheidend.

Beckmann ist in Goldbeck aufgewachsen und lebt nun schon an die fünf Jahrzehnte in Meseberg. An den Konsum hat sie durchaus gute Erinnerungen. Wenn man damals abends mit dem Bus von der Arbeit kam, brauchte vorher nicht in Osterburg eingekauft zu werden. In dem Geschäft habe es fast alles gegeben, erinnerte sich die Ortschefin schon einmal vor sieben Jahren im Gespräch mit dieser Zeitung. „Der Konsum war der Dorfmittelpunkt und fehlt der Gemeinschaft natürlich nach wie vor.“ Die mobilen Theken, Fahrzeuge mit Backwaren, Fleisch und anderen Artikeln, seien wichtig, doch ersetzen könnten sie den Anlaufpunkt von früher nicht. Die Ortschefin hofft nun „mehr denn je“, wie sie selbst sagt, dass der ehemalige Konsum endlich eine ordentliche Zukunft bekommt.

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