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Energiekrise: Osterburg spart nicht den Lichterglanz ein

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Von: Marco Hertzfeld

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Osterburgs Bürgermeister Nico Schulz fühlt die Heizung in seinem Büro.
Bürgermeister Nico Schulz mag es behaglich – auch in seinem Büro im Rathaus. In Amtsstuben soll es aber in der Regel nicht mehr als 19 Grad Celsius warm sein. © Marco Hertzfeld

Ukrainekrieg und Energiepreiskrise schlagen sich in Osterburg nieder. Die Stadt spart nicht groß an Lichterglanz, fährt aber anderes konsequent runter.

Osterburg – 13 Grad Celsius sind es draußen. In den Amtsstuben sollen es laut Verordnung maximal 19 Grad Celsius sein. Osterburgs Bürgermeister Nico Schulz (Freie Wähler) reibt sich über die Oberarme. „Noch tiefer darf es nicht gehen“, sagt der 49-Jährige und lächelt. Die Einheitsgemeinde rüstet sich für die kalte Jahreszeit. Die Energiekrise ist allgegenwärtig. Für manchen Bürger vielleicht am wichtigsten: Die Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt wird nicht gestrichen. „Diese Lichter wirken sich auf Kopf und Herz aus, das dürfen wir den Menschen nicht nehmen.“ Die LED-Lampen sollen zur Adventszeit zwischen 16 und 22 Uhr leuchten.

Große Energiefresser jeder Kommune dürften Straßenbeleuchtung und Wärmeversorgung sein. Insgesamt 2300 Lampen in den Ortschaften stehen auf dem Zettel. Die Hansestadt sei ihrer Zeit gewissermaßen einen Schritt voraus. „Die komplette Straßenbeleuchtung ist auf LED umgestellt.“ Der Energieverbrauch ist seit gut vier Jahren um mehr als die Hälfte gesunken. Die Wärmeversorgung läuft mit Holzhackschnitzeln und Holzpellets. Die Stadtwerke betreiben drei Heizhäuser und kaufen Wärme aus einer Biogasanlage hinzu. 1300 Wohnungen nicht zuletzt des kommunalen Großvermieters und mehr als zwei Dutzend Institutionen erhalten diese Wärme. „Holzhackschnitzel liegen im Vergleich zu Gas und Öl bei einem Drittel der Kosten“, erläutert Schulz auf AZ-Anfrage. Aber natürlich: „Auch hier steigen wegen der Marktentwicklung die Ausgaben. Den Verbrauchern flattern die Erhöhungen ins Haus. Doch mit Gas und Öl wären diese wohl noch deutlich größer.“

Die Straßenbeleuchtung in der Einheitsgemeinde soll noch stärker in den Sparmodus schalten. Zwischen 23 und 4 Uhr könnten etliche Lampen ganz ausgehen, wo, wird noch entschieden. „An größeren Kreuzungen und in anderen sensiblen Bereichen bleibt aber alles wie gewohnt“, beteuert Schulz und schaut weiter in die mit den Amtsleitern erstellten Pläne, welche gestern Abend dem Stadtrat vorgestellt wurden und im Wesentlichen ab 1. Oktober gelten sollen. Ein größerer Punkt: Der Saal der Ernst-Thälmann-Straße 10 wird nach den Osterburger Literaturtagen im Oktober über den Winter außer Betrieb genommen. Ratssitzungen und ähnliche Veranstaltungen finden im Treff der Grundschule statt.

Die Mitarbeiter an der Thälmann-Straße rücken zusammen, die Büros der oberen Etage sollen nicht mehr groß beheizt werden. Kühlschränke sind weitestgehend tabu, möglichst nur einen pro Gebäude soll es geben. Das Rathaus am Großen Markt und andere Verwaltungsgebäude sind zwischen Weihnachten und Neujahr dicht. In den Dorfgemeinschaftshäusern und Sportstätten soll das heiße Wasser nicht abgedreht werden, aber die Temperatur wird reduziert. Und ja: „Bei all dem und mehr haben wir als Stadt auch eine Vorbildfunktion. Der Bürger wird genau hinschauen.“

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