Taxiunternehmer bleibt trotz schwieriger Lage optimistisch

Unsicherer Blick in die Zukunft

Taxiunternehmer Schulz hat derzeit wegen Corona deutlich weniger Fahrten als sonst
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Was zu normalen Zeiten im Taxiunternehmen fast nie vorkommt, ist derzeit Alltag: Etliche Wagen im Fuhrpark von Norbert Schulz stehen häufig still.
  • Tobias Henke
    vonTobias Henke
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Vor gut einem Jahr hat Norbert Schulz zusammen mit seiner Frau das Taxiunternehmen Henschel übernommen und führt es seitdem unter dem alten Namen weiter. Zehn Mitarbeiter gehören zu seinem Team. Wie viele andere Wirtschaftsbereiche, leidet auch die Taxibranche stark unter den Corona-Folgen. Das reguläre Taxigeschäft ist laut Schulz um bis zu 80 Prozent eingebrochen. Im Fall Henschel sieht es derzeit nur deshalb etwas besser aus, weil Krankentransporte schon lange das Kerngeschäft des Unternehmens sind.

Osterburg – „Ich habe die Zahlen für Februar mal durchgerechnet. Bei uns liegt der Verlust bei 55 bis 60 Prozent. „Wenn das noch lange so weitergeht, müssen wir wieder Kurzarbeit anmelden“, so der Unternehmer. Derzeit ist dies nicht der Fall. Er möchte dies nicht zuletzt mit Blick auf die Gehälter seiner Beschäftigten so lange wie möglich verhindern. „Kurzarbeit bedeutet ein Drittel weniger Gehalt. Das ist ganz schön viel.“

Einen großen Einbruch gab es auch bei den Krankenfahrten. „Vor Corona sind wir teilweise bis zu dreimal am Tag nach Magdeburg gefahren, manchmal auch nach Berlin. Selbst medizinisch notwendige Fahrten wie etwa von Krebspatienten sind weniger geworden. Es sind spürbar weniger Fahrten zur Chemo oder zur Bestrahlung. Die Leute haben einfach Angst, sich anzustecken.“ Um der Ansteckungsgefahr Rechnung zu tragen, werden die Fahrzeuge regelmäßig desinfiziert, die Fahrer tragen entsprechend der aktuellen Eindämmungsverordnung einen Mund- und Nasenschutz. „Auch Desinfektionsmittel sind in jedem Fahrzeug griffbereit.“

Trotz des drastischen Umsatzeinbruchs gibt es immer noch einige Stammkunden, in erster Linie im Bereich der Krankentransporte. „Unseren Strammkunden gilt mein Dank. Ohne sie und ohne mein tolles Team würden wir nicht mehr lange durchhalten.“ Sehr gut für die Motivation sei insbesondere die Weihnachtszeit gewesen: „Es haben Kunden angerufen, die gerade gar kein Taxi brauchten und haben sich einfach nur mal bedankt“, freut sich der Taxiunternehmer über die Wertschätzung.

Schulz sagt, dass das Unternehmen derzeit über Rücklagen finanziert werde. „Trotzdem möchte ich betonen, dass es einige Unternehmen und Branchen gibt, die es noch härter erwischt als uns.“ Beim Blick nach vorne hat Schulz einen Wunsch: „Ich hoffe sehr, dass die Leute nach Corona wieder mehr feiern gehen und das Leben genießen. Und sich nach der Feier dann ein Taxi rufen.“ Er hält es für möglich, dass in der Zeit direkt nach der Pandemie Verluste, die jetzt gemacht werden, zumindest zu kleinen Teilen wieder aufgefangen werden können und blickt somit vorsichtig optimistisch nach vorn.

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