Landkreis-Messwagen regelmäßig an Breiter Straße / Polizei-Gerät: Mit 77 Sachen in 30er-Zone

Eine neue Tempofalle in der Stadt

+
Das Messgerät, von dem es in halb Sachsen-Anhalt nur eines gibt, ist für die Polizei so wertvoll, dass es an die Kette musste.

Osterburg. Raser auf der Breiten Straße geraten ins Visier der Ordnungshüter. Nach Beschwerden aus der Bevölkerung und auf Bitten der Stadt lässt der Landkreis nun seinen Messwagen regelmäßig vorfahren. Der mobile Blitzer ist dort bislang nicht eingesetzt worden.

„Die Kollegen aus Stendal waren vor Ort und haben die räumlichen Voraussetzungen für Kontrollen genau geprüft. Die Messstelle ist in ihre Liste aufgenommen worden“, erklärt Osterburgs Ordnungsamtsleiter Matthias Frank der AZ. Mindestens einen Einsatz habe es auch schon gegeben. Die Bilanz für „eine relativ kurze Zeit“: 17 Temposünder müssen ein Verwarngeld zahlen, einer ein Bußgeld. Die Einheitsgemeinde hat keine eigene Verkehrsüberwachung.

Neben dem Landkreis darf die Polizei tätig werden. Auf Bitten der Stadt hatten Beamte für sechs Tage ein Messgerät an einen Pfeiler montiert (die AZ berichtete). Der graue Apparat zählte die Fahrzeuge auf der nördlichen Breiten Straße und registrierte die Geschwindigkeit, ohne dass irgendwelche anderen Daten gespeichert wurden. Es gibt kein Foto, keinen Film und somit auch keine Strafe. Dank des recht unauffälligen grauen Kastens, vollgestopft mit modernster Technik, kann sich die Polizei ein vergleichsweise unverfälschtes Bild machen. Die Ergebnisse der Messung liegen nun vor.

Vom 27. März bis 2. April wurden insgesamt 14 203 Fahrzeuge gezählt. Das sind pro Tag rein rechnerisch etwas mehr als 2300 Vehikel. Das Besondere: Zwischen 22 und 6 Uhr sei es relativ ruhig, durchschnittlich 100 Fahrzeuge passierten den Messpunkt. All zu viel Bewegung herrsche dort nachts also nicht, so Polizei-Sprecher Marco Neiß. Elf Prozent der Fahrer waren schneller als 40 Kilometer in der Stunde und 0,7 Prozent schneller als 50. Tempo 30 ist erlaubt. Ein Fahrer hatte es besonders eilig. Er war mit 77 Sachen unterwegs, der Negativrekord in den sechs Tagen. Die genaue Bewertung möchte Neiß der Stadt überlasen. Allerdings bestehe aus polizeilicher Sicht in dem Bereich momentan zumindest kein dringender Handlungsbedarf.

Über Straßenlärm und Temposünden hatte sich insbesondere ein Rentner, der direkt an der Straße wohnt, immer wieder beschwert (die AZ berichtete). Der Biesestädter schimpfte auf das Kopfsteinpflaster, uneinsichtige Autofahrer und die Stadt, die untätig bliebe. Weil sich am Kopfsteinpflaster vermutlich kaum etwas ändern lasse, sprach er von der Möglichkeit, die Höchstgeschwindigkeit zu verringern, im südlichen Teil der Straße gelte schließlich auch Tempo 20. Des Weiteren war die Rede von einem stationären Blitzer, auch Starenkasten genannt. Ordnungsamtsleiter Frank kann und will sich zu diesen Punkten nicht äußern. Aber: „Der Messwagen des Kreises steht nun auch dort in Osterburg – und das regelmäßig.“

Von Marco Hertzfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare