Elbequerungen trennen nur sechs Meter / Konstruktion kostet 61 Millionen Euro / Baustart offen

Eine große Schwester zur Seite: Autobahn-Brücke schlägt Wellen

Ein Blick nach Wittenberge und rechts in Richtung Ostaltmark. So soll die neue Elbequerung aussehen. Ihre Pfeiler befinden sich genau neben denen der bereits bestehenden Brücke, die den Verkehr der B 189 aufnimmt und über den Fluss führt. Sie bekommt quasi eine große, breite Schwester an die Seite gestellt. Montage: Bauministerium

Geestgottberg. Die Elbe bei Geestgottberg wird nicht mehr dieselbe sein. Direkt neben der Brücke, die den Verkehr der Bundesstraße 189 über den Fluss führt, soll die Autobahn-Brücke ihren Bogen schlagen.

Der Abstand zwischen beiden Bauwerken beträgt lediglich circa sechs Meter. „Es wird einen Neubau geben, weil die Elbebrücke in ihrer derzeitigen Dimensionierung nicht in der Lage ist, den Querschnitt der A 14 mit einer Breite von 28 Metern aufzunehmen“, erklärt Peter Mennicke, Sprecher des Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr, auf AZ-Anfrage. Die altmärkische Elbe bildet in diesem Bereich die Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und dem Land Brandenburg.

Die geplante Trasse verläuft westlich zur bestehenden B 189. Die Gesamtkosten für die Autobahn-Brücke liegen aller Voraussicht nach bei rund 61 Millionen Euro. „Belastbare Aussagen zum Baubeginn sind erst nach Vorliegen eines bestandskräftigen Baurechts möglich“, betont Mennicke in Magdeburg. Die A-14-Nordverlängerung in Sachsen-Anhalt soll es auf etwa 97 Kilometer bringen. Die Umweltschutzorganisation BUND macht nach wie vor gegen den Autobahnbau mobil, es laufen mehrere Klagen. Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) glaubt auch weiterhin an eine Fertigstellung der A 14 bis 2020.

Beim Überqueren der Elbe bleibt der Straßenquerschnitt unverändert, das heißt, die Autobahn behält die Breite von 28 Metern mit jeweils zwei Richtungsfahrbahnen. Die zusätzliche Elbequerung ist mehr als einen Kilometer lang und untergliedert sich in eine circa 700 Kilometer lange Vorlandbrücke und eine gut 400 Meter lange Strombrücke. Mennicke: „Die Strombrücke ist als Balkenbrücke in Stahlverbundbauweise über drei Felder geplant. Sie nimmt die Höhenlage und die Stützweiten der vorhandenen Elbebrücke auf.“ Die Elbe kann dadurch ungehinderter fließen, und im Winter hat Eis weniger Angriffsfläche. Die Vorlandbrücke besteht aus 14 Feldern. Aus Naturschutzgründen ist ein zweieinhalb Meter breiter Lichtspalt zwischen den Richtungsfahrbahnen vorgesehen. Die Konstruktion des gesamten Bauwerkes kommt übrigens nicht von sonst woher, sie ist das Ergebnis eines Wettbewerbs.

B 189 und ihre Elbequerung soll es auch nach 2020 geben. Die Bundesstraße dürfte aller Voraussicht nach heruntergestuft werden und in die Verantwortung des Landes fallen. „Die vorhandene Brücke dient weiterhin als Verbindung zwischen den Landkreisen Stendal und Prignitz und nimmt den langsam fahrenden Verkehr, den Allgemeinverkehr, auf“, heißt es aus dem Ministerium auf Anfrage der AZ weiter. Dass sich beide Brücken recht nahe kommen werden, habe nicht zuletzt etwas mit Naturschutz zu tun. Vögel und Fledermäuse sollen in ihren Flugbahnen nicht unnötig behindert werden. Zudem möge die neue Brücke möglichst wirtschaftlich und bei geringsten Eingriffen in die Elbelandschaft errichtet werden.

Der Abschnitt der Autobahn zwischen Wolmirstedt und Colbitz ist fertig und kann seit einigen Tagen befahren werden. Die anderen Bereiche befinden sich zum Großteil in der sogenannten Planfeststellung. Die Unterlagen für den Abschnitt Osterburg – Seehausen lagen bis 7. November öffentlich aus. Die Einwendungsfrist endet am 21. November. Das Planungsverfahren für den Bereich von Seehausen bis zur Landesgrenze ist schon ein Stück weiter. Das ganze Prozedere soll 2015 abgeschlossen sein. Die Autobahnplaner mussten in einigen Punkten nachbessern. So soll nicht zuletzt auf den Wachtelkönig, einen ziemlich seltenen Vogel, Rücksicht genommen werden.

Von Marco Hertzfeld

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