451 Jungstörche ausgeflogen / 184 Paare im Landkreis / Hochwasser sorgte für viel Nahrung

Ein echtes Spitzenjahr für Adebar

Nicht überall in Deutschland und schon gar nicht in ganz Sachsen-Anhalt hat der Weißstorch in diesem Jahr an Boden gewinnen können. Trotz einer Aufwärtsentwicklung mancherorts in den vergangenen Jahrzehnten hat es der Brutvogel insgesamt immer noch schwer.

Osterburg. Dem Weißstorch im Landkreis Stendal ist es in jüngerer Vergangenheit noch nie so gut gegangen wie in diesem Jahr.

Entgegen dem Landestrend kann Torsten Friedrichs, Vorsitzender des Ornithologenvereins Altmark-Ost, für 2013 sogar einen Rekord verkünden: 451 Jungstörche sind ausgeflogen. Das sind fast 100 Tiere mehr als im Jahr zuvor. Das Pikante daran: Das für den Menschen so leidvolle Hochwasser bescherte Adebar einen reich gedeckten Tisch, Nahrung ohne Ende. „Waren es mit auflaufendem Wasser Mäuse und anderes Kleingetier, das sich vor der Flut zu retten suchte, so blieben mit ablaufendem Wasser Fische als leicht erlangbares Futter in vielen Geländesenken zurück. “.

Zur Erinnerung: Bis Anfang April zog sich der Winter hin, sodass sehr viele der Schreitvögel im Schnee auf ihren Nestern standen. Ende Mai, Anfang Juni folgten ergiebige Regenfälle. Im Süden Sachen-Anhalts und in Sachsen kam es dadurch zu erheblichen Verlusten an Jungvögeln, sodass der Fachmann sogar von einem Störungsjahr spricht. Mechthild Kaatz, Storchenhof Loburg, schätzt, dass etwa ein Fünftel weniger Jungtiere flügge geworden ist. Im Vorjahr waren unter der Obhut von landesweit 590 Paaren 1211 Nestlinge herangewachsen. Dieses Mal ließen die Wetterextreme eine solche Bilanz nicht zu.

Der Landkreis Stendal bildet da die besagte Ausnahme. Das nordöstliche Sachsen-Anhalt traf nicht so sehr der Regen, sondern das Hochwasser. „An einigen Stellen hatten sich Trupps sogenannter Nichtbrüter eingefunden. Anfang Juli standen zum Beispiel mehr als 20 Störche auf der Tangermünder Stephanskirche zur Nachtruhe. Den Tag über verbrachten sie gemeinsam mit Reihern und Möwen bei der Nahrungssuche in der Elbaue. Bei Losenrade fanden sich sogar circa 225 Weißstörche zusammen, die das reiche Nahrungsangebot nutzten“, berichtet Friedrichs. So viele Störche beieinander ließen sich sonst nur bei dem Zug gen Süden beobachten.

Auch Weißstörche, die ihre Jungen im Einzugsbereich von Elbe und Havel aufzogen, hatten gute Zeiten. „Normalerweise halten sich Storcheneltern Ende Juni, Anfang Juli abseits der Nester auf oder sind ständig mit der Futtersuche für die ewig hungrigen Jungen beschäftigt. In diesem Jahr sah man um diese Zeit regelmäßig an fast jedem Nest ein oder zwei Altstörche. Die Alten fanden so viel Nahrung, dass die Jungen sie nicht ständig um Nahrung anbettelten.“ In dieser außergewöhnlichen Situation sind sehr viele Jungstörche groß geworden, das Futter reichte für alle.

Friedrichs hat noch eine weitere positive Nachricht: Mindestens zehn Paare haben sich 2013 neu im Landkreis Stendal angesiedelt. „Damit ist das Jahr mit 184 im Landkreis anwesenden Storchenpaaren ein absolutes Spitzenjahr.“ In Hämerten seien aus einem Paar im Vorjahr plötzlich zwei geworden und beide Paare hätten drei Junge im Horst gehabt. Auch in der Storchenstadt Werben gab es zwei neue Brutpaare. Weitere Ansiedlungen kann der Vorsitzende des Ornithologenvereins Altmark-Ost für Lindtorf, Hassel, Eichstedt, Bertkow, Baben, Goldbeck und Schönebeck vermelden. „Die letztgenannten Orte liegen abseits der Elbe und waren überwiegend seit Jahrzehnten ohne Storchenpaare.“ Möglicherweise haben sich auch noch anderswo zusätzliche Paare angesiedelt. Derartige Bereicherungen würden oftmals und manchmal auch über Jahre schlichtweg übersehen. Ergo: Wer neben den genannten Neuansiedlungen noch weitere kennt, der kann sie unter Tel. (03931) 311223 melden.

Die Masse der Störche ist längst in Afrika angekommen. Die Zugvögel legen jedes Jahr aufs Neue lange Strecken zwischen ihrem Brutrevier und dem Winterquartier zurück.

Von Marco Hertzfeld

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