OLITA: Désirée Nick über das Altern und Frauen in den Wechseljahren

„Wir 50-Jährigen sind die It-Girls der Geriatrie“

Die Osterburger stürmen nach der Lesung auf die Bühne und sichern sich eine persönliche Widmung von Autorin Désirée Nick in den mitgebrachten und vor Ort erworbenen Büchern. Fotos: ohe(2) / bw(1)

Osterburg. Der erste Lacher des Abends ging am Mittwoch im Saal der Verwaltung auf die Kappe eines doch leicht nervösen Einheitsgemeindebürgermeisters. In seinen einleitenden Worten schwenkte Nico Schulz auf ein Fernsehformat, aus dem die meisten wohl Désirée Nick kennen.

Allerdings unterlief ihm scheinbar ein Fehler, als er laut ins Mikrofon den Titel der Sendung schmetterte: „Ich bin ein Star – holt mir raus“. Oder war es doch ein charmanter Wink für die Berlinerin, um es ihr etwas heimeliger zu machen? Diese genoss auf jeden Fall den Einzug in die Räumlichkeit, schritt schon fast majestätisch im Dirndl auf die Bühne und nahm Platz.

Lange Worte machte sie nicht im Vorfeld, kam gleich zackig zur Sache und las aus ihrem Buch „Gibt es ein Leben nach fünfzig? Mein Beitrag zum Klimawandel“. Der Titel lässt kaum offen, um was es geht. Obwohl schon die Frage nach dem Klimawandel im Raum steht. Aber auch das ist ganz einfach. Schließlich schmelzen laut Nick die Polkappen doch nur, weil einfach zu viele Frauen in den Wechseljahren sind. „Wir sind damit beschäftigt, vor dem Altern wegzurennen“, mahnt sie und verweist auf Instant-Ratgeber, die rezeptfrei zu erhalten sind. Sie persönlich halte ja nichts von diesem ganzen Health-Food (Englisch für gesunde Nahrung) und in ihrem Alter brauche sie doch alle wichtigen Konservierungsstoffe. Und so liest sie munter vor sich her. Sorgt mit anschaulichen Beschreibungen über das Badezimmer im Wandel des Alters und Seitenhieben auf Prominente wie Uschi Glas für reichlich Begeisterung im Saal.

„Wenn wir keinen Bock mehr auf Sex haben, lassen wir einfach das Licht an“, weiß sie geschickt die Vorteile eines Lebens über fünfzig zu verkaufen. „Wir suchen keine Bilder mehr in den Wolken am Himmel, sondern in den Krampfadern unseres Partners“, schmettert sie im nächsten Moment in Richtung Zuschauer. So manch einer beugt sich bereits vor Lachen auf seinem Stuhl. Die Temperatur stieg im Saal merklich an. Ein weiterer Höhepunkt für die Osterburger: „Wir 50-Jährigen sind die It-Girls der Geriatrie“, der Altersmedizin.

Dann widmete sie sich einem Kapitel, das sichtlich für Unbehagen bei einigen männlichen Zuschauern sorgte.

Der Mann rückte in den Fokus. Die alternden Männer vergleicht Nick auch mal mit einem „schrumpligen Rhinozeros“. Aber Männer sind ja eh Beuteltiere, „sie tragen ihre Geschlechtsteile außerhalb des Körpers.“ Die Frauen im Saal, eindeutig in der Überzahl, genossen die Szenen, die Nick ihnen präsentierte. Etwa über das mit reichlich Aufwand verbundene Getue der Männer am Strand, wenn sie aus dem Wasser steigen. Schließlich müsse da einiges wieder gerichtet werden. Die Biesestädter gerieten sichtlich immer mehr in Wallung, lachten laut über die Geschichten der Nick, unter anderem über den „letzten Tropfen nach dem Pinkeln am Penis.“ Der gäre schließlich in der Sonne in der Unterhose. „Lasst sie doch wieder in die Büsche kacken“, forderte sie lautstark, nachdem sie das Verhalten der männlichen Gattung im Badezimmer bildhaft beschrieben hatte.

Wenn der Spiegel wieder zum Tiefschlag ausholt, sinniert Nick über Szenen in den Umkleidekabinen der Welt, die eh immer mehr als schlecht beleuchtet sind. Ausgestattet mit 15-Watt-Glühbirnen oder am besten gleich einer Kerze, sollte „ein sozialpsychiatrischer Dienst“ an die Seite der potenziellen Käuferinnen gestellt werden. Amüsant auch ihre Beschreibung von der Entdeckung der schlabbrigen Oberarme beim Kämmen der Haare vor dem heimischen Spiegel. Gekonnt zog sie das gespaltene Verhältnis zwischen Frau und spiegelnden Oberflächen durch den Kakao. Als sie zum Kapitel über den Verkehr kam, erklärte sie, dass es auch dies in ihrem Buch gebe. „Das erste Kapitel war, damit hier erstmal alle aus dem Wachkoma kommen!“ Und auch diese Aussage nahmen die Biesestädter mit Humor. Eine Nick kann sich mit ihrer ganz speziellen Art und Weise scheinbar alles erlauben.

Amüsiert beschwingt schloss sie nach einem weiteren Kapitel ihren Part. Dann waren die Osterburger gefragt und konnte Nick Löcher in den Bauch fragen. So wollte ein Herr im Publikum tatsächlich wissen, ob ihre Geschichten frei erfunden sind oder auf eigenen Erfahrungen beruhen. Frei von der Leber weg plauderte sie und gab zu, dass es sich um eigene Erfahrungen und Erzählungen von Freunden handelt, die ein Gesamtbild ergeben. „Als Satirikerin darf man überzeichnen und subjektiv empfinden“, grinste sie.

Von Berit Wagner

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